Mann wegen Onlinebetrugs in Millionenhöhe verurteilt

Am Landesgericht Salzburg ist am Dienstag ein 33-Jähriger wegen Onlinebetruges mit einem Schaden von rund 1,2 Millionen Euro zulasten von 39 Österreichern zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten nicht rechtskräftig verurteilt worden.

Der reumütig geständige Kosovare war von April 2017 bis Jänner 2018 Telefonist eines Callcenters einer internationalen Bande, die über Fake-Tradingplattformen hohe Gewinne mit Finanzprodukten wie Kryptowährungen vorgaukelte.

Die Plattform „Option888“, die nicht mehr existiert, warb im Internet um potenzielle Kunden mit Versprechungen wie „so werde ich in einer Woche zum Millionär“, erläuterte Oberstaatsanwalt Günter Gößler von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Der Trick dabei war: Der Anleger zahlte anfangs einen kleinen Betrag ein, zum Beispiel 250 Euro.

Am 2. Tag hatte er schon ein Guthaben von 1.200 Euro, am 5. Tag 100.000 Euro und nach einer Woche über eine Million Euro. Wollte sich der Kunde das Geld aber auszahlen lassen, wurde er „verbrannt“, wobei durch eine spezielle Manipulationssoftware die Kurse in den Keller fielen und damit das Geld weg war.

Tatsächlich landeten die von den Opfern einbezahlten Beträge über Scheinfirmen auf den Konten der Chefs dieser europaweit vernetzten Bande, die in mehreren Ländern Callcenters betrieb und für einen Schaden von weltweit 250 Millionen Euro verantwortlich gemacht wird. Zu den Drahtziehern habe der Angeklagte nicht gehört, sagte sein Verteidiger Simon Häussler. „Er war ein einfacher Mitarbeiter eines Callcenters im Kosovo, er war das letzte Rad in dem Konstrukt. Die Idee dazu und die Software kommt nicht von ihm.“

Der bisher unbescholtene Angeklagte entschuldigte sich für den gewerbsmäßig schweren Betrug, den er eingestand. „Es tut mir von Herzen leid, ich schäme mich zutiefst“, sagte er zur Vorsitzenden des Schöffensenates, Richterin Martina Pfarrkirchner.

Er habe den Job im Kosovo nur deshalb angenommen, weil er private Schulden abzahlen musste. Das Grundgehalt sei mit 1.000 Euro netto doppelt so hoch gewesen wie in herkömmlichen Callcentern und man habe noch Bonuszahlungen bekommen.

Der Kosovare arbeitete am „German-Desk“ und erhielt den Aliasnamen „Sebastian Morelli“, weil er zwar gut Deutsch sprach, aber mit Akzent. Schließlich kündigte er, weil er mit dem Druck nicht mehr zurechtkam. „Ich habe heute noch Albträume.“ Er nahm eine Arbeit in einem Fastfood-Restaurant in Deutschland an. Dort wurde er aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen und im Herbst 2021 nach Österreich ausgeliefert, wo er seit Oktober in Untersuchungshaft sitzt.

Allerdings blüht dem Mann auch in Deutschland ein Gerichtsverfahren, weil er als „Agent“ des Callcenters auch dort Anleger um 790.000 Euro gebracht haben soll. Zudem wurden Opfer in der Schweiz geschädigt. Gegen einige Mitglieder der Bande, darunter ein männliches Führungsmitglied, das bereits vier Jahre Gefängnis erhalten hatte, sind Gerichtsverfahren anhängig oder schon abgeschlossen.

Am Landesgericht Salzburg wurde von der WKStA noch eine Anklage gegen drei Personen eingebracht, die offenbar leitende Funktionen beim Betrieb dieser Callcenter hatten. Ein Prozesstermin gegen zwei Männer aus Israel im Alter von 42 und 45 Jahren und gegen eine 39-jährige Bulgarin ist noch nicht bekannt.

 

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