Marc Elsbergs neuer Thriller: Ex-US-Präsident hinter Gittern

Mit seinen Wissenschaftsthrillern hat der Wiener Marc Elsberg Millionenauflagen erreicht. Nun legt er einen Gerichtssaalthriller vor. „Für ‚Der Fall des Präsidenten‘ wollte ich gern einen US-Präsidenten hinter Gitter bringen“, sagt er im APA-Interview, in dem er auch eine Prognose zu Donald Trump wagt: Er „wird von einem Gericht verurteilt werden, allerdings für geschäftliche Dinge, was ihn nicht davon abhalten wird, sich erneut um die Präsidentschaftskandidatur zu bewerben“.

APA: Im Mittelpunkt Ihres neuen Romans steht ein Ex-US-Präsident mit den Initialen DT. Das kommt einem doch sehr bekannt vor. Wann haben Sie denn mit der Arbeit an Ihrem Buch begonnen?

Marc Elsberg: Beschäftigt mit dem Thema habe ich mich schon länger. Konkreter entstand die Idee im Lauf des Jahres 2018. 2019 habe ich dann begonnen zu entwerfen und zu schreiben, die Intensivarbeit war in der ersten Hälfte 2020. Die – fiktive – Figur dieses Ex-Präsidenten trägt zwar die Initialen D. T., ist allerdings jünger, schlanker und fitter als Donald Trump, er ist von den letzten drei US-Präsidenten und deren Handeln inspiriert: George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump.

APA: Sie wurden mit Thrillern zu Wissenschafts- und Technik-Themen bekannt. Warum begeben Sie sich nun auf das Feld der Juristerei?

Elsberg: Ich habe meine Romane eigentlich immer als Thriller zu aktuellen Themen verstanden. Technologien und Wissenschaft sind elementare Bestandteile unserer modernen Gesellschaft, müssen daher in zeitgemäßen Romanen eine Rolle spielen – manchmal eine größere, manchmal eine kleinere. So wie in „Der Fall des Präsidenten“, wenn man etwa an Fake News, Deep Fakes und Drohnen denkt, die darin vorkommen. Für „Der Fall des Präsidenten“ wollte ich gern einen US-Präsidenten hinter Gitter bringen – da stehen naturgemäß Gerechtigkeit und Recht im Vordergrund.

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APA: Mit welchen für Sie neuen Herausforderungen waren Sie bei diesem ungewohnten Sujet konfrontiert?

Elsberg: Internationales Strafrecht auch nur rudimentär zu verstehen – ein sehr komplexes Thema. Zum Glück hatte ich sehr fachkundige Unterstützung.

APA: Wie viel reale Wahrscheinlichkeit gaben die Experten, mit denen Sie gesprochen haben, Ihrem Szenario, nämlich der Verhaftung eines ehemaligen US-Präsidenten durch den Internationalen Gerichtshof?

Elsberg: Zugegeben, nicht sehr viel.

APA: Wie gestalteten sich überhaupt Ihre Recherchen für den Roman?

Elsberg: In Zeiten des Internets ist Recherche einerseits viel einfacher geworden, weil man praktisch alles online findet, wenn man – und das macht sie wieder schwierig – weiß, wo man suchen muss. Also recherchiere ich einerseits online und spreche andererseits mit Fachleuten.

APA: Wie sehr sind bzw. waren Sie in die Verfilmungen Ihrer Romane „Blackout“ und „Zero“ involviert?

Elsberg: Die Drehbuchautoren konsultierten mich, während sie schrieben, und ich konnte meine Anmerkungen geben. Das waren aber nicht viele, denn mir gefielen die Drehbücher sehr gut! Die Autoren hatten sogar eine Idee, bei der ich mir dachte: Super, die hätte ich gern für das Buch gehabt!

APA: Durch den jüngsten Beinahe-Blackout in den mitteleuropäischen Stromnetzen waren Sie wieder ein gefragter Interviewpartner zu dem Thema. Würden Sie sich wünschen, dass mehr Politiker Ihre Bücher lesen und beherzigen würden? Oder wäre Ihnen lieber, Sie hätten Unrecht mit den von Ihnen beschriebenen Entwicklungen?

Elsberg: Wie ich höre, werden meine Bücher ohnehin auch von Politikerinnen und Politikern gelesen. Die Konzepte zu Kooperation und Wachstumsoptimierung aus meinem letzten Roman „Gier“ etwa brachten mir Vorträge bei der SPÖ und dem von der ÖVP veranstalteten Europaforum Wachau sowie eine Diskussion mit dem deutschen „Wirtschaftsweisen“ Lars Feld, der später den Vorsitz dieses Gremiums übernahm, das die Wirtschaftspolitik der deutschen Bundesregierung begutachtet. Die deutsche SPD-Vorsitzende Saskia Esken empfahl „Gier“ mehrmals und las einmal sogar live auf Twitter daraus. Aber gerade über diese Konzepte müsste man wohl noch mehr sprechen: In „Gier“ beschrieb ich ja schon 2019 eine gigantische Wirtschaftskrise, die, hoppla, 2020 eintrat, lieferte aber auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die bei der Bewältigung solcher Krisen helfen können.

Und manche von mir entworfene Szenarien finde ich ja durchaus positiv. Da hätte ich nichts dagegen, sie in der Realität zu sehen, wenn ich eben an eine breite Diskussion über die Konzepte aus „Gier“ denke, oder daran, dass der Westen jene Werte, die er sich an die Brust heftet, auch wirklich vertritt und selbst hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft zur Verantwortung zieht.

APA: Ihre Bücher sind Millionen-Seller. Wie sind Ihre Verbindungen und Kontakte zur „herkömmlichen“ Literaturszene. Gibt’s da überhaupt Austausch und Überschneidungen?

Elsberg: Natürlich, immer wieder. 2019 etwa war ich bei den Europäischen Literaturtagen in der Wachau eingeladen, vor wenigen Monaten erschien ein Gespräch mit den Kolleginnen Vea Kaiser, Ursula Poznanski und dem Kollegen Clemens Berger in der deutschen Literaturzeitschrift „Allmende“, um zwei Beispiele zu nennen. Und in Wien treffe ich, wenn nicht gerade Lockdown ist, einen kleinen Kreis ab und zu auf ein Gläschen.

APA: Wir haben mit DT begonnen, lassen Sie uns mit DT enden: Was halten Sie derzeit für wahrscheinlicher: Donald Trump wird vor einem Gericht verurteilt – oder er tritt bei den nächsten Wahlen wieder an? Zusatzfrage: Wenn es zu einer Verurteilung kommen sollte, werden da eher seine geschäftlichen oder seine politischen Machenschaften dafür verantwortlich sein?

Elsberg: Sowohl als auch. Er wird von einem Gericht verurteilt werden, allerdings für geschäftliche Dinge, was ihn nicht davon abhalten wird, sich erneut um die Präsidentschaftskandidatur zu bewerben. Zu fürchten ist, dass die Republikaner das auch ein zweites Mal zulassen werden. Hoffen wir, dass die US-Wählerschaft da nicht mitmacht.

(Die Fragen stellte Wolfgang Huber-Lang/APA)

ZUR PERSON: Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er arbeitete als Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg. Unter seinem bürgerlichen Namen Marcus Rafelsberger veröffentlichte er ab 2000 einige Romane. Seinen Durchbruch als Thriller-Autor feierte er 2012 mit „Blackout – Morgen ist es zu spät“. Von dem bisher in über 20 Sprachen übersetzten Buch wurden über 1,8 Million Exemplare allein im deutschsprachigen Raum verkauft. Es folgten die Thriller „Zero“ (2014), „Helix – Sie werden uns ersetzen“ zum Thema Gen-Manipulation (2016) und „Gier – Wie weit würdest Du gehen“ (2019). Verfilmungen von „Blackout“ und „Zero“ sollen 2021 ausgestrahlt werden. Elsberg unterrichtet Storytelling an der Universität für Angewandte Kunst Wien.

(S E R V I C E – Marc Elsberg: „Der Fall des Präsidenten“, blanvalet, 608 Seiten, 24,70 Euro)

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