Marianne Faithfull: She Walks in Beauty

Auf ihrem neuen Album „She Walks In Beauty“ lässt Marianne Faithfull ihren immer brüchiger und kratziger gewordenen Gesang hinter sich. Zu sphärischen Arrangements aus Synthesizer, Klavier, Geige und Cello rezitiert Faithfull Gedichte britischer Romantik-Poeten des 19. Jahrhunderts: Lord Byron, John Keats, Percy Shelley, William Wordsworth.

Sie tut das mit einzigartig rauer, teilweise kurzatmiger Stimme, eindringlichem Ernst und angemessenem Pathos. Zur anspruchsvollen Dichtkunst hatte Faithfull schon immer eine enge Verbindung — nicht nur, weil sie von der Familie des österreichischen Schriftstellers Leopold Ritter von Sacher-Masoch (1836-1895) abstammt.

Wie noch nie zuvor richtet sie sich nun direkt an belesene Hörer, die etwas Zeit und Konzentration mitbringen — denn „She Walks In Beauty“ ist keine leichte Kost. Wenn Faithfull die alten Texte über „The Bridge Of Sighs“ (Thomas Hood) oder „The Lady Of Shalott“ (Lord Tennyson) spricht, wenn sie Oden an den Herbst (nach Keats) oder den Mond (nach Shelley) richtet — dann ist das von Pop so weit entfernt wie Herzschmerz-Schlager von Beethovens 9. Sinfonie.

Das Ergebnis: eine Platte, wie es sie noch nicht gegeben hat. Wie schon auf früheren Alben fand Faithfull auch für „She Walks In Beauty“ illustre Mitstreiter, Nick Cave etwa steuerte Pianoparts zu den Klangcollagen bei.

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