Skispringerin Kramer fliegt an WM-Medaille vorbei: Vierte

Marita Kramer hat als Mitfavoritin bei ihrem WM-Debüt eine Medaille verpasst. Die 19-Jährige landete bei den Nordischen Titelkämpfen in Oberstdorf am Donnerstag von der Normalschanze an der vierten Stelle. Die Jury hatte vor der Halbzeit-Führenden den Anlauf verkürzt, doch diese machte nicht die umstrittene Entscheidung, sondern einen schlechten Sprung für den Rückfall verantwortlich. Den Titel sicherte sich die Slowenin Ema Klinec vor Titelverteidigerin Maren Lundby (NOR).

Kramer war bei allen Sprüngen vor dem Finale jeweils unter den besten drei platziert gewesen. Die Salzburgerin weckte im ersten Durchgang denn auch Hoffnungen auf Edelmetall, sogar auf das zweite Gold einer ÖSV-Skispringerin. Doch nach der Rekordweite von 109 m landete sie auch bei 98 m schlecht und verpasste Edelmetall hinter der Weltcup-Rekordsiegerin Sara Takanashi aus Japan um 1,1 Punkte. Bei Kramer flossen Tränen der Enttäuschung.

Die Steirerin Daniela Iraschko-Stolz, die 2011 in Oslo triumphiert hatte und 2019 in Seefeld Dritte war, platzierte sich an der achten Stelle (95,5/95). Eva Pinkelnig, die nach einem Milzriss erst eine Woche vor der WM in den Weltcup zurückgekehrt war, verpasste nach verpatztem Sprung (81 m) als 32. das Finale der besten 30. Die Kärntnerin Sophie Sorschag wurde wegen eines nicht dem Reglement entsprechenden Anzugs im ersten Durchgang disqualifiziert. Am Freitag (17.15 Uhr/live ORF 1) folgt der Teambewerb.

Kramer hatte beim ersten Sprung nur mit Mühe einen Sturz vermieden. Sie übertraf den Schanzenrekord von Sara Takanashi um nicht weniger als zwei Meter. „Ich habe die grüne Linie unter mir gesehen, da hat es mich selber etwas geschreckt. Ich war noch so hoch“, schilderte Kramer diesen Flug im ORF-Fernsehen. „Das war mein bester Sprung seit langer Zeit, ein unglaublicher Sprung.“

Doch just vor ihrem finalen Versuch trat die Jury zusammen und entschied auf Verkürzung, nachdem Klinec zuvor erst bei 100,5 m gelandet war. Mario Stecher, der Sportliche Leiter im ÖSV, legte denn auch Protest ein, weil die Weite von Klinec laut Reglement eine Verkürzung nicht gerechtfertigt hätte. Wohl ahnend, dass der Einspruch ins Leere laufen würde. „Uns geht es da nicht so sehr um das Thema, dass man diesen Wettkampf annulliert, sondern dass Leute wie diejenigen, die heute an der Ampel oder in der Jury waren, nie mehr da oben stehen“, betonte Stecher. Eine Verkürzung sei absolut nicht notwendig gewesen. Der ÖSV erwartete für Donnerstag von der FIS keine Reaktion auf den Protest.

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Für ÖSV-Cheftrainer Harald Rodlauer war die Jury-Maßnahme höchst fragwürdig. „Dass man bei der letzten Athletin in den Wettkampf eingreift, das ist für mich nicht nachvollziehbar. Das war einfach nicht fair. Ich weiß nicht, ob diese Leute heute gut schlafen werden“, ärgerte sich der Steirer.

Doch Kramer suchte den Fehler nicht bei anderen. „Dieser Sprung war einfach einer von den schlechteren. Für diese Verhältnisse wollte ich wahrscheinlich zuviel“, resümierte die dreifache Saisonsiegerin. Sie sei verdient Vierte. Der Absprung sei nicht optimal gewesen, zudem verpatzte sie die Landung. Diese Abzüge kosteten die Springerin des SK Saalfelden, die als Achtjährige mit ihrer Familie aus den Niederlanden nach Maria Alm übersiedelt war, eine Medaille. Sie erhielt für den Finalsprung (Noten zwischen 15,5 und 16,5) 5,5 Punkte weniger als die neue Weltmeisterin, von der sie am Ende 4,4 Punkte trennten. Klinec brachte der erste Sieg nach elf Weltcup-Podestplätzen gleich WM-Gold.

„Wäre ich normal gelandet, hätte ich trotzdem die Medaille gemacht. Wir haben gesagt, wenn man keinen Telemark macht oder eine hässliche Landung, kannst du Vierte werden. Und genau das ist mir passiert“, meinte Kramer. Ihr Ärger währte aber nur kurz, die Ex-Junioren-Weltmeisterin gab sich überraschend abgeklärt: „Ich freue mich auf neue Sprünge.“ Sie hat im Allgäu noch drei weitere Chancen, ihre Klasse zu zeigen.

Iraschko-Stolz hatte Kramer getröstet, selbst aber nicht die erhoffte Topleistung abgeliefert. Wie mehrfach im Weltcup fehlten der 37-Jährigen einige Meter auf einen Podestplatz. „Die Leistung war solide, sie war okay. Es waren sicher nicht die besten Sprünge. Aber ich bin einfach heute nicht so reingekommen, das passiert leider und habe trotzdem mein Bestes gegeben. Es war eine knappe Entscheidung“, resümierte die Wahl-Tirolerin.

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