Markus Poschners Höhenflüge in Anton Bruckners Himmel

Oö. Stiftskonzerte: Das Bruckner Orchester und sein Chefdirigent begeisterten mit einem herausragenden Ereignis in St. Florian

Ein fulminanter Auftritt von Dirigent Markus Poschner
Ein fulminanter Auftritt von Dirigent Markus Poschner © Alfred Atteneder

Von Georgina Szeless

Die Stiftskonzerte sind glücklich zu schätzen für den Gewinn eines Bruckner-Dirigats von Markus Poschner am Samstag in der Basilika St.Florian, das den Höhepunkt der heurigen Konzertreihe schon jetzt vorwegnahm. Dem Publikum war das Ereignis bewusst, es füllte den mit Hunderten von Sesseln erweiterten Kirchenraum bis auf den letzten Platz. Poschners besondere Affinität zu Bruckner sorgte schon öfter für eine verstärkte Aufmerksamkeit, aber hier an der Wirkungs- und Ruhestätte des genius loci haben Begegnungen mit seinem Werk einen außergewöhnlichen Stellenwert. Seine Sinfonie Nr. 7 E-Dur WAB 107 war am Programm, ein vom glücklichen Schicksal des Meisters gelenktes Opus, mit dem ihm die Münchner Erstaufführung 1885 den ersehnten Weltruhm bescherte, noch bevor er bei den Wiener Philharmonikern „Gnade“ und Wohlgefallen fand, und dann ausgerechnet die „Siebente“ zur meistgespielten Sinfonie wurde. Sie musste sich auch keine irritierenden Fassungsprobleme gefallen lassen, denn es ist geradezu lächerlich, dass nur über einen Beckenschlag diskutiert wurde, ob er an einer gewissen Stelle eingesetzt werden sollte, was für Bruckner sicher keine Frage war. Viel wichtiger war die Leipziger Uraufführung 1884 zur Errichtung eines Denkmals für Richard Wagner, dessen Tod 1883 Bruckner während seiner Arbeit an der „Siebenten“ tief getroffen hat und in die er erstmals die „Ring-Tuben“ einbaute. Das bewegende cis-Moll Adagio ist das Resultat seines Gedenkens an den Bayreuther Meister.

Im wunderbaren Einklang mit dem Orchester

Alles Wissen, Denken und Fühlen breitete Poschner in „seinem“ Bruckner aus. In wunderbarem Einklang mit dem Orchester brauchte es keine ausladende Gestik, vor den ausgeholten Zeichen kam schon das die Gänsehaut auslösende Pianissimo und durchmaß stufenweise die ganze dynamische Skala bis zur losbrechenden fff-Steigerung im mit großer Transparenz errichteten Gesamtaufbau. Dabei waren die mitkomponierten Pausen so wichtig wie sonst kaum, wurden die prägnanten Themen nicht nur abgehandelt, sondern erzählten von einer viersätzigen Handlung in der Vorstellung Bruckners, dessen Gesamtbild als ein persönliches Charakterbild Poschners in Höhenflügen des Genies Himmel erreichten. Einzelne Passagen der Sätze vollständig herauszugreifen muss man nicht, der Te Deum- Choral, das virtuose Chromatikfeuer, die Unendlichkeit der Melodien, die Ruhe im schlichten Credo, die Vorbereitung der Fanfaren für das Coda-Finale, sprachen alle für das gestalterische Meisterwerk von Poschners Aufführung. Den Dank für den langen Applaus quittierte er mit gefalteten Händen. Im Gotteshaus zur Ehre an den göttlichen Bruckner.

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