Martin Achrainer: Winterreise (Preiser Records)

Im heurigen Opernprogramm des Linzer Landestheaters wurde erstaunlicherweise eine szenische Aufführung von Franz Schuberts „Die Winterreise“ — ein ganz besonders intimer Liederzyklus, der eine optische Dramatisierung wohl am allerwenigstens nötig hat — angekündigt. Will man hier einem fragwürdigen Publikumsgeschmack entgegenkommen oder ist es der Eitelkeit eines Regisseurs geschuldet? Wie auch immer. Die bei Preiser Records erschienene CD wurde nicht im Studio produziert, sondern aufgenommen im Großen Orchesterprobensaal des Landestheaters, der die akustischen Voraussetzungen für ein derartiges Unternehmen nicht ganz erfüllt. Bariton Martin Achrainer, Publikumsliebling am Landestheater, gibt sich alle Mühe seiner Gestaltungskunst, das Ergebnis ist dennoch leider zwiespältig.

Die Vokale singt er zwar mit großem Opernpathos. Die Konsonanten bleiben aber dabei eher auf der Strecke, doch sie sind unentbehrlich für die Textverständlichkeit, zumal im Booklet jede textliche Unterstützung fehlt. Seine Stimme fließt wunderschön voll von Legatokultur, allein dies befriedigt für die Gestaltung zu wenig. Tommaso Lepore war ihm ein aufmerksamer Begleiter, atmosphärisch blieben aber einige Wünsche offen. Der Liedsänger Achrainer hätte es allein ohne unnütze Ablenkung durch die Szene besser machen können.