Martin Ivanov: Franz Liszt

Der 29-jährige bulgarische Pianist Martin Ivanov sucht gerade die technischen Raffinessen auf dem Piano und spielt sie weniger, als dass er sie so ganz leicht hingeblättert feiert bis zelebriert.

Sein neuester Geniestreich beginnt mit den zwei Konzertetüden „Waldesrauschen“ und „Gnomenreigen“, scheinbar harmlose Übungsstücke, ein Gruß an Liszts Freund Chopin. Mit diesen Stücken kann sich Ivanov richtig in Szene setzen. Läufe und hammergleiches Stakkato-Spiel fordern seine gestalterische Fantasie, mit der er, abgesehen von der phänomenalen Technik, sparsame Rubati setzt, die aber immer wirkungsvoll platziert sind.

Dann widmet er sich in einer äußerst kontrastreichen Darstellung der großen h-Moll-Sonate, Liszts größtem und bedeutendstem Klavierwerk. Liszt hat das Stück Robert Schumann gewidmet, womit er auf die von diesem oft praktizierte Konfrontation mit einem „männlichen“ und einem „weiblichen“ Thema hinweisen wollte. Es fällt auf, dass Ivanov bei seiner Umsetzung weniger die klassische Gestaltungsform der Sonate ins Hörbild rückte, sondern mehr auf eine möglichst farbige Abbildung des Programms achtete.

In den noch folgenden sechs Paganini-Etüden steigerte Ivanov sein technisches Können ins Extreme. Offensichtlich wollte er dem Teufelsgeiger Niccolo Paganini einen Teufelspianisten zur Seite stellen. Klaviertiger bitte hinhören!

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