Martin Stadtfeld: Hommage to Bach (Sony)

Keine Überraschung und doch bereitet der deutsche Pianist Martin Stadtfeld seinen Fans mit einer weiteren Bach-CD Freude. „Bach ist für mich der Ausgangspunkt für alle Musik, die danach kommt“, lautet sein Credo für den Barockmeister, den er diesmal mit zwei besonders emotional reichhaltigen Werken einspielte.

Einmal aus der Partita für Solovioline Nr.2 d-moll BWV 1004 mit der Chaconne, die er selbst für das Klavier arrangierte und die mit ihren 257 Takten, mehrere Choral-Themen umkreisend, jeden Rahmen sprengt. Was an der Interpretation von Stadtfeld ungewöhnlich ist, ist, dass er der letztgültigen Bach-Bearbeitung von Ferruccio Busoni aus dem Wege geht, weil diese angeblich seiner Auffassung von dem Werk nicht entspricht. Er findet sie zu bombastisch, virtuos, klanglich auftrumpfend. Wichtig war für ihn, die farbigen Differenzierungen für die jeweiligen Takte hervorzuheben.

Die zweite Bach-Hommage auf der vorliegenden CD gilt den zwölfteiligen Kanons, in denen Stadtfeld seine persönlichen Empfindungen zum Ausdruck bringt, die er im Charakter der jeweiligen Tonarten erkennen will. Was hier wiederum auffällt, ist der bisweilen spielerische Geist Bachs, der in seiner Musik oft wenig berücksichtigt wird. Die literarisch mit Akribie ausgearbeitete Aufnahme ist für den Pianisten, der nun die Romantik ins Auge fassen möchte, ein wertvolles Zeitdokument.

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