Mattersburg-Bank am Ende – Kleine Spareinlagen sicher

Das Burgenland wird wieder von einem Bankskandal gebeutelt. Die Bankenaufsicht hat eine vergleichsweise kleine Regionalbank über Nacht zugedreht. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. Der Bankchef ist zurückgetreten. Für Auszahlungen von Einlagen bis zu 100.000 Euro springt die Einlagensicherung ein. Unter den ersten Großkunden, die um Dutzende Millionen bangen, ist etwa die Wiener Frequentis.

Bis 1995 war die aktuell tief in offenkundige Bilanzfälschungen verstrickte “Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG” eine regionale Raika im Burgenland. Damals hieß sie Raiffeisenbank Schattendorf und war in einer Gruppe einer Handvoll von Raiffeisen-Rebellen, die sich mit dem Giebelkreuz-Sektor angelegt hatten und sich absetzten.

Mit dem damaligen Austritt bei Raiffeisen wurde die Bank zur Commerzbank Mattersburg-Burgenland AG. Initiator der Ablösung und Mitbegründer des Neustarts damals war Martin Pucher, der bis zuletzt im Bundesland äußerst gut vernetzt war und vor allem als einflussreicher Fußball-Gönner gilt. Pucher ist am Dienstag, nach Vorliegen der Ergebnisse einer Bankprüfung als langjähriger Chef der Bank abgetreten und steht auch davor, seinen Posten als Präsident des Bundesligavereins SV Mattersburg abzugeben. Dort ist die Bank bisher maßgeblicher Sponsor gewesen.

Ein Regierungskommissär ist eingesetzt. Zuletzt wurde die Bilanzsumme mit etwas mehr als 800 Mio. Euro angegeben. Der Kommissär muss jetzt, zumal die Bilanzen nicht stimmen dürften, zunächst einen Status erstellen lassen, also die Lage der Bank und die Höhe der Schäden erheben lassen, die auf hohe Millionensummen geschätzt werden. Der Verdacht der Bilanzfälschung und der Untreue steht im Raum. Von einem Riesen-Betrug und mutmaßlichen Fantasiekrediten hat am Mittwoch sogar Burgenlands Landeshauptmann gesprochen. Die Bank wird liquidiert.

Die Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG gehört zu knapp 80 Prozent einer Kreditgenossenschaft, sie hat neben der Zentrale in Mattersburg acht weitere Filialen im Burgenland. Sie befinden sich in Hirm, Loipersbach, Krensdorf, Draßburg, Zemendorf, Baumgarten, Schattendorf und Forchtenstein und damit allesamt im Bezirk Mattersburg. Mehr als 50 Mitarbeiter sind bei der Bank beschäftigt.

Sie ist ein Sponsor des SV Mattersburg, bei dem Vorstandschef Pucher seit 1988 Obmann ist. Unter ihm schafften es die Mattersburger 2003 erstmals in die Bundesliga. Auch bei der Fußballakademie Burgenland ist die Bank ein wichtiger Sponsor.

Die Commerzialbank trat in Mattersburg immer wieder als Investor auf. Auch an einem derzeit laufenden großen Umbauprojekt ist sie federführend beteiligt: Um rund 30 Mio. Euro soll ein neuer Rathausplatz entstehen. Der Großteil des Geldes für dieses geplante “Impulszentrum” sollte von der Bank kommen. Pucher hatte bereits in den späten 1990er-Jahren die Idee zu dem Projekt und ist auch Grundstückseigentümer.

Der Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg hat am Mittwoch für Empörung in der burgenländischen Landespolitik gesorgt. Neben Landeshauptmann Doskozil (SPÖ) zeigte sich auch FPÖ-Wirtschaftssprecher Alexander Petschnig “erschüttert”. ÖVP-Landesparteiobmann Christian Sagartz sprach von einem “Schock für alle Betroffenen”. Es brauche nun volle Aufklärung sowie Sicherheit und eine Perspektive für die Betroffenen, sagte Sagartz. “Das Land muss alles dafür tun, um einen Schaden für den Wirtschaftsstandort abzuwenden.” Die Finanzmarktaufsicht habe jedenfalls “entschlossen gehandelt und somit einen höheren Schaden verhindert”, so der ÖVP-Landesparteiobmann.

Die burgenländischen Grünen forderten eine umfassende Aufklärung insbesondere in Hinblick auf die “Netzwerke des Gründers im Burgenland”. Der Pensionistenverband (PVÖ) rät Betroffenen unterdessen, beim Servicecenter ein neues Konto bekannt zu geben oder einen Antrag auf Barbezug zu stellen.

Die TPA Wirtschaftsprüfung GmbH sieht sich in dem Bilanzskandal rund um die Commerzialbank Mattersburg als Opfer einer Täuschung. Die Wirtschaftsprüfer hatten die Jahresabschlüsse der Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG in den Jahren 2006 bis 2018 geprüft.

“Die aktuell aufgedeckten Erkenntnisse erwecken den offensichtlichen Verdacht, dass die verantwortlichen Prüfer der TPA Wirtschaftsprüfung GmbH unerwartet Opfer einer umfangreichen und komplexen Täuschung durch das Management der ‘Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG’ wurden”, teilten die Wirtschaftsprüfer am Mittwochnachmittag in einer Aussendung mit.

Die TPA Wirtschaftsprüfung fühlt sich von der Bank hinter das Licht geführt: “Es wurde das Vertrauen der Prüfer in die Korrektheit der zur Verfügung gestellten Unterlagen offensichtlich missbraucht, die Ermittlungen dazu laufen bereits und werden voraussichtlich in den kommenden Tagen durch die Behörden veröffentlicht”, so die Wirtschaftsprüfer. Man habe die Prüfung der Commerzialbank Mattersburg “stets korrekt und unter Einhaltung aller gesetzlichen und berufsrechtlichen Bestimmungen sowie fachgerecht” in den Jahren 2006 bis 2018 (letztes Testat) durchgeführt.

Der Bestätigungsvermerk des Jahresabschlusses der Commerzialbank Mattersburg für das Geschäftsjahr 2019 wurde laut TPA Wirtschaftsprüfung nicht erteilt, weil die Übergabe von prüfungsrelevanten Unterlagen seitens der Bank nur schleppend oder gar nicht erfolgte. Daher habe seit Monaten die aktuelle Prüfungstätigkeit geruht.

Die Wirtschaftsprüfer haben nun die Testierung der Commerzialbank-Jahresabschlüsse aufgrund der aktuellen Entwicklungen zurückgezogen: “Die nun durch die FMA aufgedeckten Unregelmäßigkeiten haben natürlich einen sofortigen Widerruf von Bestätigungsvermerken der Vergangenheit zur Folge. Die notwendigen Maßnahmen dazu werden zur Stunde von den Wirtschaftsprüfern, die selbst erst heute aus den Medien von den Malversationen erfuhren, veranlasst”, so die TPA Wirtschaftsprüfung. Man habe den Behörden “die volle Unterstützung bei der Aufklärung dieses offensichtlichen Betrugsfalls” zugesichert.

Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) kündigte am Mittwoch nach Bekanntwerden des Bilanzskandals bei der Commerzialbank Mattersburg an, Betroffenen ihre Pensionen vorübergehend bar auszuzahlen. Die Pensionsanweisungen für alle Personen, die ihr Pensionskonto bei der Mattersburg-Bank haben, werden laut Aussendung auf Barauszahlung umgestellt.

Insgesamt seien rund 1.800 Pensionisten österreichweit betroffen, die ihr Konto bei der Commerzialbank haben. Mit der automatischen Umstellung solle ihnen nun eine “rasche und unbürokratische Unterstützung” angeboten werden, so die PVA. Bei Kunden, die sich telefonisch bei der PVA gemeldet haben, sei die Umstellung bereits erfolgt.

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