Mattersburg-Bank – Auch Ex-Vorständin Klikovits geständig

In der Causa um die Commerzialbank Mattersburg ist nun auch die Ex-Vorständin Franziska Klikovits geständig, berichtete der ORF Burgenland aus dem Vernehmungsprotokoll der Bankmanagerin. Ex-Bankchef Martin Pucher und Klikovits seien wohl schon länger ein eingespieltes Team gewesen. Persönlich habe sie sich aber nicht bereichert, berichtete das ORF-Radio am Dienstag.

Beide hätten jahrelang die Bilanzen der Commerzialbank manipuliert, gestand die Ex-Vorständin. “Ich habe die Manipulationen in den Systemen vorgenommen und bei papierhaften Ausfertigungen wirkte Herr Pucher mit. Ein weiterer Mitarbeiter der Bank oder der dritte Vorstand waren dabei nicht involviert”, wird Klikovits vom ORF zitiert. Rund 670 Mio. Euro der Commerzialbank-Bilanz seien in Summe frei erfunden.

Die Ideen für die Fälschungen seien von Pucher gekommen, sie selbst habe es technisch durchgeführt, habe Klikovits laut ORF-Radio bei der Einvernahme erklärt. “Teilweise wurden bei bestehenden Kunden neue, fingierte Kreditkonten eröffnet und teilweise habe ich als Kunden infrage kommende Personen in der Grundbuchdatenbank und im Firmenbuch gesucht und Pucher traf dann die Auswahl. Diese Personen hatten gar keine reale Geschäftsbeziehung zur Commerzialbank Mattersburg”, führte Klikovits, für die die Unschuldsvermutung gilt, laut dem Vernehmungsprotokoll weiter aus.

Persönlich bereichert habe sie sich aber nicht. “Ich persönlich für mich habe kein Geld entnommen. In die Hand bekommen habe ich es schon, aber ich habe es nicht für mich behalten”, zitiert das Ö1-Morgenjournal Klikovits. Ihr sei außerdem klar gewesen, dass die Bilanzfälschungen unrechtmäßig waren, hieß es in den Bericht.

Klikovits habe auch mehrmals kündigen wollen, Pucher habe sie jedoch mehrmals wieder überredet in der Bank zu bleiben. Sie habe gehofft, die Fälschungen irgendwann wieder bereinigen zu können. “Hätte ich damals gekündigt, hätte der Herr Pucher alleine vermutlich nicht geschafft, das zu verstecken,” wird Klikovits zitiert.

In der Bankbilanz seien rund 350 Mio. Euro an Kundenkrediten ausgewiesen worden. 180 Mio. davon sollen fingiert gewesen sein. In ihrer Einvernahme verweise Klikovits auch mehrfach auf Datenträger, die sie den Ermittlern übergeben habe: “Auf den USB-Sticks und auf der Festplatte befinden sich umfangreiche Daten, die die vollständige Aufklärung der Causa sicherstellen werden”, so die Ex-Vorständin.

Die Prüforgane der Bank sollen von den Unregelmäßigkeiten laut Klikovits aber nichts mitbekommen haben. “Aus meiner Sicht hat die TPA niemals Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei den Prüfungen festgestellt und ich wurde auch nie auf Unstimmigkeiten von den Prüfern der TPA angesprochen. Auch der Aufsichtsrat der Commerzialbank Mattersburg hat niemals Hinweise auf Unregelmäßigkeiten festgestellt”, sagte die Ex-Vorständin laut ORF bei ihrer Einvernahme aus.

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) tritt unterdessen erneut für einen Untersuchungsausschuss auf Bundesebene ein. Diese Ansicht vertrat der Landeschef auch in einem Brief an die Klubobleute der Parteien im Nationalrat, berichtete am Dienstag die “Kronen Zeitung”. Im Schreiben an Rendi-Wagner garantiert Doskozil der Parteivorsitzenden, dass im Burgenland “alle notwendigen Schritte gesetzt werden”, um in der Angelegenheit für eine lückenlose Aufklärung zu sorgen. Fakt sei aber, “dass der Betrugsfall offenbar ein jahrzehntelanges und umfassendes Versagen der im Bund ressortierenden Kontrollorgane – von der FMA über die Nationalbank bis hin zur Justiz und den Ermittlungsbehörden – zutage gebracht hat”.

Eine Untersuchung auf parlamentarischer Bundesebene sei “unabdingbar”. Doskozil und der burgenländische SPÖ-Klubchef Robert Hergovich ersuchen die Bundesparteichefin um Unterstützung zur Einrichtung eines U-Ausschusses im Nationalrat spätestens nach Beendigung des Ibiza-Untersuchungsausschusses. “Andernfalls werden wir unserer parlamentarischen Pflicht, für größtmögliche Aufklärung zu sorgen, keinesfalls gerecht werden”, heißt es in dem Brief.

Unterdessen nehmen die Bemühungen um einen Untersuchungsausschuss zur Affäre um die Commerzialbank auf Landesebene Fahrt auf. Man werde den Ausschuss “sehr, sehr zeitnah” beantragen, bestätigte ÖVP-Klubobmann Markus Ulram einen Bericht des “Kurier”, wonach der Antrag auf Einsetzung schon diesen Freitag oder kommenden Montag präsentiert werden könnte.

Man sei derzeit noch “in der Feinabstimmung”, so Ulram. Dabei gehe es nicht mehr um inhaltliche Fragen, sondern “um juristische Fragen, die wir abstimmen”. Die ÖVP will, obwohl sie dies von den Erfordernissen her auch alleine könnte, den U-Ausschuss gemeinsam mit der FPÖ und den Grünen beantragen.

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