Zweite Coronavirus-Welle in Osteuropa

Die zweite Corona-Welle breitet sich rasch in Osteuropa aus. Polen, Tschechien, Russland und die Ukraine melden fast täglich Rekordwerte bei Ansteckungszahlen und Todesfällen. So verzeichnete das polnische Gesundheitsministerium am Samstag 5.300 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das ist der höchste Wert seit Ausbruch des Coronavirus. Noch drastischer sind die Zahlen in Tschechien. Dort zeigten die Daten des Gesundheitsministeriums 8.618 Neuinfektionen.

In Polen, wo rund 38 Millionen Menschen leben, stieg die Gesamtzahl der nachgewiesenen Ansteckungsfälle laut Regierung auf 121.638. Insgesamt starben bisher 2.972 Menschen mit oder an dem Virus. Die Regierung in Warschau hat die Auflagen verschärft. So müssen jetzt in den Straßen stets Mund- und Nase-Bedeckungen getragen werden. Es wurde erwartet, dass Ministerpräsident Mateusz Morawiecki weitere Beschränkungen für Schulen verkündet. Er hat auch nicht ausgeschlossen, den Notstand auszurufen, sollten die Zahlen weiter so rasant ansteigen.

In Tschechien wurden bisher 109.374 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet – von insgesamt 10,7 Millionen Einwohnern. Auch die Regierung in Prag hat im Kampf gegen das Virus die Maßnahmen drastisch verschärft. Schwimmbäder und Fitnessstudios müssen von Montag an für zwei Wochen dichtmachen. Restaurants müssen ab 20.00 Uhr schließen, dort dürfen nur vier Personen an einem Tisch sitzen. Einige Krankenhäuser wurden angewiesen, nicht zwingend notwendige Eingriffe zu verschieben, um Platz für Covid-19-Patienten zu machen. Große Sorge bereitet zudem die wachsende Zahl der infizierten Ärztinnen und Ärzte sowie der Pflegekräfte.

In Russland meldeten die Behörden 12.846 Neuinfektionen binnen 24 Stunden – so viele wie nie zuvor. Damit haben sich insgesamt 1.285.084 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. Russland verzeichnet nach den USA, Indien und Brasilien die meisten Ansteckungsfälle weltweit. Allerdings sind im Vergleich zu diesen Ländern nach offiziellen Daten deutlich weniger Menschen dem Virus erlegen. Ihre Zahl stieg um 197 auf 22.454.

Erstmals seit Beginn der Corona-Epidemie sind in der Ukraine mehr als hundert Menschen binnen 24 Stunden in Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Nach Angaben des nationalen Sicherheitsrates stieg die Zahl der Todesfälle um 108 auf 4887. Insgesamt seien 256.266 Infektionsfälle nachgewiesen worden. 112.570 Menschen seien wieder genesen.

In Deutschland haben die Gesundheitsämter innerhalb eines Tages nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Samstagfrüh 4.721 neue Corona-Infektionen gemeldet. Von Mittwoch auf Donnerstag war der Wert von 2.828 auf 4.058 erheblich gestiegen, von Donnerstag auf Freitag lag das Plus bei 4.516. In Deutschland haben sich seit Beginn der Corona-Krise nach RKI-Angaben mindestens 319.381 Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 10.10., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion lag demnach bei 9.604. Das waren 15 mehr als am Vortag. Etwa 273.500 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Lagebericht vom Freitag bei 1,34 (Vortag: 1,17). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

In Italien wurde am Samstag erneut ein starker Anstieg der Coronavirus-Ansteckungen registriert. 5.724 neue Fälle wurden in 24 Stunden verzeichnet, am Vortag waren es 5.372 gewesen. Außerdem wurden 29 Todesfälle gemeldet, am Freitag waren es 28. Die Zahl der Toten in Italien seit Beginn der Epidemie im Februar stieg somit auf 36.140. Eine Rekordzahl von 133.000 Abstrichen wurde am Samstag genommen. Die Zahl der bestätigten aktiven Fälle kletterte auf 74.829, jene der in Spitälern behandelten Covid-19-Patienten stieg auf 4.336, teilte das italienische Gesundheitsministerium mit. Auf Intensivstationen lagen 390 Patienten.

Der Iran hat nach langem Hin und Her nun doch Bußgelder bei Verstößen gegen die Corona-Regeln eingeführt. Die Geldstrafen gelten vorerst nur für die Hauptstadt Teheran, könnten aber auch auf das ganze Land ausgeweitet werden, sagte Präsident Hassan Ruhani am Samstag. Außerdem dürfen die Iraner außerhalb ihrer Wohnungen die Schutzmasken nicht mehr abnehmen. Ab Samstag ist auch die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Taxis ohne Maske strikt verboten.

Bei Nichteinhaltung von Maskenpflicht und Mindestabstand müssen die Bewohner der Hauptstadt jedes Mal zwischen 500.000 und zwei Millionen Rial zahlen, Geschäfte sogar zwischen drei und zehn Millionen Rial, sagte der Präsident im Staatsfernsehen. Umgerechnet wären das zwar nur zwischen 1,70 und sechs beziehungsweise neun und 30 Euro, aber für iranische Verhältnisse sind die Beträge in der derzeit akuten Wirtschaftskrise relativ hoch.

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