Mehr Bewegung auf dem Balkan

Flüchtlinge auf neuen Routen nordwärts — Mehr Ankünfte in Österreichs Nachbarschaft

Flüchtlinge leiden in Bosnien zumeist unter schwierigsten Bedingungen.
Flüchtlinge leiden in Bosnien zumeist unter schwierigsten Bedingungen. © AFP/Barukcic

Im Tauziehen zwischen EU und Türkei über den Fortbestand des Flüchtlings-Pakts tritt eine Frage wieder in den Vordergrund: Was würde passieren, sollte die Türkei wie angedroht Flüchtlinge in Richtung Zentraleuropa weiterziehen lassen?

Seitens der europäischen Grenzschutzagentur Frontex hat man jedenfalls bereits drei neue Trampelpfade der Flüchtlinge über den Balkan ausfindig gemacht: eine zentrale Route von Griechenland über Nordmazedonien und Serbien nach Kroatien bzw. Slowenien, eine Route von der griechisch-albanischen Grenze über Montenegro und Bosnien-Herzegowina sowie eine Ausweichroute entlang der serbischen Außengrenzen mit Rumänien und Ungarn.

Dem VOLKSBLATT vorliegende Daten der UNO-Migrationsagentur IOM mit Sitz in Genf zeigen jedenfalls: Flüchtlingsströme über den Balkan gibt es noch — und das aktuell mit steigender Tendenz! Hauptbetroffene Ankunftsländer neben dem Ausgangspunkt Griechenland sind laut IOM aktuell Bosnien-Herzegowina (18.000 Ankünfte seit Jahresbeginn), sowie Kroatien (9300), Slowenien (9200) und Serbien (8800).

In den Monatsstatistiken seit Jahresbeginn zeigt sich für all diese Länder bei den Flüchtlings-Ankünften ein spürbar steigender Trend. Eine Welle, die möglicherweise bereits für erste Ausschläge in der Asyl-Statistik Österreichs verantwortlich ist. Im Juli wurde hierzulande mit 1150 Asylanträgen der vorerst höchste Monatswert seit Jahresbeginn 2019 gemessen. Hinweise auf ein merkliches Anschwellen der Flüchtlingsströme auf dem Balkan ergeben sich auch aus Daten des Grenzschutzes: Im Zeitraum Jänner bis Juli hat sich auf der Balkanroute die Zahl der aufgegriffenen Illegalen gegenüber 2018 auf 5800 verdoppelt.

Beschwerliche Umwege

Was die weiteren Entwicklungen anbelangt, verweist man bei der IOM auf eine erkennbare Änderung in den Flüchtlingsströmen: gegenüber früher bekommen sie es auf dem Balkan mit rigideren Polizeibehörden zu tun und weichen daher zunehmend auf längere Umwege aus.

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