Mehr Fokus auf das jüdische Leben

Elisabeth Schweeger stellte sich vor und unterstreicht das Miteinander

Elisabeth Schweeger, künstlerische Leiterin der Kulturhauptstadt Bad Ischl — Salzkamergut 2024
Elisabeth Schweeger, künstlerische Leiterin der Kulturhauptstadt Bad Ischl — Salzkamergut 2024 © APA/Hörmandinger

Ein von einer lokalen Künstlerin bemaltes „Kaffeehaferl“ überreichte die Bad Ischler Bürgermeisterin Ines Schiller gestern Elisabeth Schweeger. Die Wiener Literaturwissenschaftlerin, Kulturmanagerin und Intendantin ist, wie berichtet, nach einem einstimmigen Votum die neue künstlerische Leiterin der Kulturhauptstadt 2024. In Oberösterreich kuratierte sie bereits für das OK — u. a. den Linzer Höhenrausch 2018 — und Ausstellungen für das Ars Electronica Center.

Sie werde viel Arbeit haben und daher das „Kaffeehaferl“ benötigen, meinte Schiller — und das weiß auch Schweeger, die sich mit den Worten „Schönen guten Tach. Zurück in Österreich mit einer sehr großen Herausforderung“, vorstellte. Programmatische Details verriet sie auf ihrer Antrittspressekonferenz in Bad Ischl nicht, ließ aber durchklingen, dass sie einen stärkeren Fokus auf das einstige jüdische Leben im Salzkammergut legen will.

Zwischen Ernsthaftigkeit und Kitsch

Schweeger ließ übrigens wissen, sie sei nicht selbst auf die Idee gekommen, sich zu bewerben. Das Salzkammergut findet sie „schön und interessant. Eine Tradition zwischen Ernsthaftigkeit und Kitsch“. Es stelle sich die Frage, „wie kann man darauf reagieren, kann man was dagegensetzen“. Auch wenn sie viel in Deutschland gearbeitet habe, sei ihr das Salzkammergut nicht fremd: „Das Terrain ist mir vertraut“, so Schweeger über familiäre Bande. Sie sieht ihre Aufgabe als ein Versprechen an die Zukunft: „2024 wird noch nicht alles im Salzkammergut neu aufgestellt sein, aber es geht darum, wie es weitergehen soll“, so Schweeger, für die nun alles zusammenkommt, was sie ihr ganzes Berufsleben, in ihrer vielfach interdisziplinären Vergangenheit, gemacht hat.

Und sie betont: „Aus Reibung entsteht etwas Neues.“ Es sei ihr wichtig, „die Geschichte nicht wegzuschieben, sondern zu sehen, was sie uns gelehrt hat und zu überlegen, wie man weitergehen kann in die Zukunft“, um im Salzkammergut „lokal und trotzdem global leben und handeln zu können“. Sie spüre hier die Lust, die Tradition nicht zu verraten, sie aber kritisch zu beleuchten und sie in eine Zukunft zu führen, wo das neue Leben möglich sein könne. Es gäbe gute und weniger gute Fundamente im Salzkammergut und die müsse man offenlegen. „Es gibt viele brachliegende Gebäude, daraus kann man Ateliers machen und Künstler herschaffen. Das hilft den Künstlern und den Menschen, die hier leben.“

Sie wolle alle Projekte mit dem Team evaluieren. Demokratie funktioniere über positive Streitkultur, ließ sie wissen. „Ich arbeite seit 30 Jahren in der Kunst und es ist immer ein Miteinander. Man beflügelt sich, wenn man miteinander denkt“. Was sie aber bereits sagen könne, „das jüdische Leben, das es hier gab, fehlt mir ein bisschen“. ast

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