Mehrere Banken schaffen Negativzinsen für Firmenkunden ab

Die Bank Austria und weitere Institute verzichten auf Verwahrgebühren © APA/ROLAND SCHLAGER

Für Kommerzkunden mehrerer österreichischer Banken deutet sich ein Ende der Negativzinsen an. Auf APA-Anfrage kündigten die Bank Austria und die Erste Group ein Abschaffen der „Verwahrgebühren“ an, die ab einem gewissen Kontostand für Firmenkunden erhoben wurden. Auch die oberösterreichische VKB-Bank und die RLB NÖ-Wien kündigten dies am Dienstag an. Die Geldhäuser reagieren damit auf die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) vom vergangenen Donnerstag.

Die Bank Austria erhob bis jetzt bei institutionellen Kunden, Kunden des öffentlichen Sektors und Firmenkunden eine individuell vereinbarte Verwahrgebühr auf große Guthaben, will dies nun aber „zeitnah“ abschalten, wie die UniCredit-Tochter der APA mitteilte. Auch die Erste Bank will die Gebühr, die dort oberhalb einer Freibetragsgrenze von 100.000 Euro schlagend wurde, „in Kürze“ nicht mehr verrechnen.

Die VKB-Bank teilte am Dienstag per Aussendung mit, man werde das Verwahrentgelt für Firmenkunden mit 1. August bis auf weiteres auf null setzen. Per Ende August wird auch die Raiffeisen Landesbank Wien-Niederösterreich (RLB NÖ-Wien) das Verwahrentgelt beenden, hieß es heute von der Sprecherin.

Bei den Volksbanken dürften Verwahrgebühren mittelfristig mit großer Wahrscheinlichkeit verschwinden. Davon geht ein Sprecher der Gruppe aus. Zurzeit würden für Firmenkunden teilweise Verwahrgebühren kassiert, dabei gebe es aber je nach Volksbank unterschiedliche Modalitäten.

Mit der jüngsten Zinserhöhung sind die „Strafzinsen“ der EZB, also die Negativzinsen auf bei der Zentralbank geparkte Gelder, weggefallen. Diese wurden von einigen Instituten in Form von sogenannten Verwahrentgelten bzw. Verwahrgebühren – de facto Negativzinsen auf Bankguthaben – an ihre Firmenkunden weitergegeben. Nach einem OGH-Urteil aus dem Jahr 2009 sind Negativzinsen für private Sparer in Österreich verboten, nicht aber für Geschäftskunden. In Deutschland sind Verwahrentgelte auf Spar- und Girokonten für Privatkunden erlaubt.

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Für (private) Sparer in Österreich ändert sich nach dem EZB-Entscheid einstweilen nicht viel. Die Erste Group bietet laut eigener Aussage nur fix verzinste Sparprodukte an. „Wir werden die Marktentwicklung weiter beobachten und bei deutlichen Zinserhöhungen Angebote legen“, heißt es in einem Statement. Auch bei der Bank Austria hat die Leitzinserhöhung keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Sparerzinsen. „Die relevanten Indikatoren für Sparzinsen sind derzeit immer noch negativ. Für die Zukunft ist abzuwarten, wie sich der Markt entwickelt“, so eine Sprecherin in einer schriftlichen Antwort.

Steigerungen nach oben gibt es dafür teilweise bei variabel verzinsten Krediten und bei neuen Fixzins-Krediten. „Diese Entwicklung ist aber nicht neu, sie hat sich bereits durch die Ankündigung der EZB, den Leitzins zu erhöhen, gezeigt“, heißt es bei der Bank Austria. Bei variabel verzinsten Krediten sei zudem die Entwicklung bei den Euribor-Zinssätzen entscheidend. Die Erste Bank gab an, dass es bei Krediten mit variablen Zinsen zu einer höheren Zinsbelastung kommen werde. Keine nennenswerten Änderungen dürfte es wiederum bei der RLB NÖ-Wien geben, da deren Kredite großteils fix verzinst seien, sagte eine Sprecherin.

Bei der BAWAG gibt man sich zurückhaltender und kündigt noch keine konkreten Schritte an. Man beobachte die Marktentwicklung aufmerksam, teilte ein Sprecher der Bank mit.

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