Meilensteine der Kammermusik

Brucknerhaus: Ars Antiqua Austria mit Werken des Linzers Weichlein

Begeisterten: Gunar Letzbor und seine Musiker
Begeisterten: Gunar Letzbor und seine Musiker © Reinhard Winkler

Das Linzer Brucknerhaus ist für die coronabedingten Vorschriften gut gerüstet: Abstand halten ist oberste Pflicht, zu nutzende Wege und Aufgänge sind genau auf der Konzertkarte verzeichnet.

Mundschutzpflicht gilt für den Eintritt in die Säle, die Sesselreihen, mit dem nötigen Abstand gestellt, sind genau ausgewiesen.

Großartig musizierendes Klangkonsortium

Auch die Künstler der Ars Antiqua Austria, angeführt von Gunar Letzbor, kamen am Freitag vorerst mit Mundschutz auf die Bühne. Das Ensemble, etwas erweitert mit Letzbor und Fritz Kircher (Violinen), Peter Aigner und Barbara Konrad (Viola), Peter Trefflinger (Violoncello), Hubert Hoffmann (Theorbe), Erich Traxler (Orgel), Magdalena Hasibeder (Cembalo), präsentierte sich als großartig agierendes Klangkonsortium. Dass Letzbor sein Programm unter dem Titel „Musica Austriaca“ ausschließlich mit Werken des 1652 in Linz geborenen Komponisten und Violinisten Romanus Weichlein bestückte, ist als besonderes Ereignis zu werten. Weichleins Werke gelten als Meilensteine der barocken Kammermusik.

Für Ars Antiqua Austria steht der Komponist im Zentrum seiner musikalischen Heimat. Die musikalische Qualität, die geforderte Virtuosität und die teilweise avantgardistische Anlage seines Schaffens beschäftigt das Ensemble seit seiner Gründung vor fast 30 Jahren. Der zu Unrecht vernachlässigte Meister Weichlein trat ins Benediktinerstift Lambach ein und nahm 1671 als Novize den Namen Romanus an. Sein Vater, der Organist in der Linzer Stadtpfarrkirche war, und ein Studium der Philosophie in Salzburg bedingten neben dem Violinstudium sein umfassendes Wissen.

Die an diesem Abend ausgesuchten Werke — sechs Sonaten für zwei Violinen, zwei Violen und Basso Continuo — machten die Lust des Komponisten an der Variationskunst bei Passacaglia und Chaconne, aber auch den raffinierten Umgang mit ironisierten und variierenden Modellen der Stimmeneinsatzfolge deutlich. Die farbenprächtigen Wendungen der Harmonie mit der Vorliebe für volkstümlich inspirierte Melodik zeigten das Bild eines genialen und sehr persönlich agierenden Künstlers.

Viel freudigens Applaus ernteten die grandiosen Künstler im sehr gut besetzten Großen Saal des Brucknerhauses.

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