„Meine Kunst soll wie eine Hand auf der Schulter sein“

Die in Linz lebende und arbeitende französische Künstlerin Cécile Belmont über ihre Arbeiten, Reisen & Corona

Cécile Belmont beim Sticken im Botanischen Garten in Linz
Cécile Belmont beim Sticken im Botanischen Garten in Linz © Belmont

„Homage to life“ steht auf einem der T-Shirts gedruckt, die eng aneinandergereiht hängen. Dazwischen einzelne weiße Kleider, die künstlerisch bearbeitete Filmzitate und -szenen zeigen. Aufwendige Stick-Gemälde an den Wänden, auf dem Tisch Fotos, die Menschen im Rahmen von Kunstprojekten darstellen.

Betritt man die Werkstatt von Cécile Belmont (45), gewinnt man einen schönen Überblick über die Arbeit der Künstlerin. Ein kleines Atelier im idyllisch gelegenen Dörfl am Linzer Froschberg ist seit vier Jahren die künstlerische Heimat der gebürtigen Französin.

Im Egon-Hofmann-Haus arbeitet sie an ihren Siebdrucken, an Stickereien, an partizipatorischen Kunstprojekten. Eine freischaffende Künstlerin, in deren Arbeiten das Reisen, die Bewegung, der Mensch und sein Lebensumfeld eine wichtige Rolle spielen.

Draußen zu arbeiten wird immer wichtiger

Belmont wurde in der Normandie geboren, als Teenie zog sie mit ihrer Familie nach Paris, wo sie Textildesign studiert hat. „Meine Familie war mehr im wissenschaftlichen Bereich zuhause, hat mich aber in meinem Bestreben, Künstlerin zu werden, unterstützt“, erzählt sie. Nach ihrem Abschluss ging sie für vier Jahre nach Buenos Aires, wo sie bei einem Maler ihre Ausbildung fortsetzte. Dort begann sie auch mit Siebdruck, arbeitete dabei viel in den Straßen. Draußen zu sein, auch die Härten der Witterung zu spüren, werde ihr immer wichtiger, sagt sie.

Als sie in Südamerika auf Schiffen auf großen Flüssen wie dem Amazonas unterwegs ist, sucht sie nach einer Möglichkeit, sich während der langen Fahrten künstlerisch zu betätigen. In einem Dorf findet sie Stoff und Fäden, die Landschaften, die vorbeiziehen, hinterlassen darauf bald abstrakte Spuren – „Gefühle, Wahrnehmungen“, wie die Künstlerin sagt — in Form von Stickereien. Der Beginn von dem, was Belmont als Reisestickerei bezeichnet – oft wild, unkontrolliert und weit entfernt von lieblicher kommerzieller Stickerei.

Die Beziehung von Menschen zu Orten, an denen sie leben

Besonders wichtig ist Belmont die Arbeit mit Menschen, Projekte hat sie etwa in Paris und Berlin, aber auch in ländlichen Gegenden verwirklicht: „Es geht dabei um die Beziehung der Menschen zu dem Ort, an dem sie leben.“ Sie hole dafür gern Leute vor den Vorhang, die sonst keine Stimme hätten. Entstanden sind dabei etwa „Letter Performances“, die anhand von T-Shirts mit einzelnen aufgedruckten Buchstaben zeigen, dass der, der diese Kleider trägt, Teil eines Ganzen und trotzdem ein Individuum ist.

In Berlin realisierte Belmont „Letter am Steinplatz“: Zwei Monate wurde der Platz zu Belmonts Werkstatt unter freiem Himmel, wo sie schrieb und Siebdrucke gestaltete. T-Shirts und Transparente mit Zitaten von Menschen, die vorbeikamen und der Künstlerin Fragen zu dem Ort beantworteten, waren das Ergebnis. Zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein, habe auch etwas mit Respekt für die Menschen dort zu tun, sei Arbeit auf Augenhöhe, so Belmont.

„Meine Kleidung ist wie eine Hand auf der Schulter, die für Kraft und Begleitung steht“, sagt sie. Ihre T-Shirts seien für den Alltag gemacht, sollen etwas bewirken, wenn sie übergestreift werden. Die Botschaft „Homage to life“ öffne gerade in diesen Tagen etwas, strahle Positives aus, solle Reaktionen hervorrufen. Eine Belgierin habe sich eines ihrer Kleider als Brautkleid ausgesucht und trage es bis heute jedes Jahr zum Hochzeitstag. „Es ist schön, ein bisschen im Leben eines Menschen zu sein.“

Derzeit arbeitet Belmont an verschiedenen Projekten, manches musste verschoben werden, vieles, was für die Zukunft geplant gewesen sei, befinde sich angesichts von Corona in Schwebe. Klar habe sie auch in finanzieller Hinsicht Verluste hinnehmen müssen, sagt sie, die Zeit in Quarantäne mache ihre Arbeit, die so stark mit Menschen verbunden sei, besonders aktuell. Cécile Belmont blickt nach vorne: „Künstler müssen stets sehr flexibel sein, suchen instinktiv nach neuen Lösungen.“

www.cecilebelmont.com

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