Meister der Zwischentöne umjubelt

Salzburg: Rolando Villazón und Carrie-Ann Matheson im Haus für Mozart

Nach der Hitze des Tages war es ein Genuss, in die Kühle des Hauses für Mozart einzutauchen, um dem Tenor Rolando Villazón und seiner Klavierpartnerin Carrie-Ann Matheson bei ihrer Version der Geschichte der spanischen Liedtradition der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zuzuhören.

Der Abend beginnt mit Manuel de Fallas „Siete canciones populares espanolas“, sieben spanischen Volksliedern. Rolando Villazón betont, dass es sich ausschließlich um Kunstlieder handelt, die bestenfalls Themen aus der Volkskultur verarbeiten. Er singt sich mit Manuel de Falla in die Herzen der Zuhörer und bereitet sie auf die moderneren Kompositionen von Federico Mompou („Neu“ und „Nomes les Flores“, 1944) und auf Fernando Obradors „Canciones clasicas espanolas“ vor. Mompou ist stark von französischen Komponisten beeinflusst, er hat in Paris studiert. Obrador hingegen ist Autodidakt und hat es dennoch in seinem Leben zum Dirigenten der Filarmónica de Gran Canaria gebracht.

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„Liebesleid und Liebesfreud“

Villazón hält von Beginn an guten Kontakt zu seinen Zuhörern. Als ein älterer Herr nicht aufhören kann zu husten, wartet er, bis der Mann sich wieder gefangen hat, dann hustet er selbst, alle im Saal lachen herzlich. Nach der Pause stellt der mexikanische Tenor Kunstlieder aus Südamerika vor. Villazón spricht über die Inhalte der Lieder, die subtile Poesie, in der es meist um „Liebesleid und Liebesfreud“ geht und stellt besonders Silvestre Revueltas „Cincos canciones para Ninos“ vor, Poesie für Kinder. Carlos Guastavinos „Las Nubes“, 1944, ist der beeindruckendste Zyklus des Abends.

Rolando Villazón, Meister der kleine Gesten, der vielen Farben, Nuancen und Zwischentöne rettet mit Partnerin Carrie-Ann Matheson durch die subtilen Rhythmen diesen Abend. Er steigert sich noch mit Albert Ginasteras Cancion op. 3 Nr. 1, Alberto Nepomuceno Coracao triste op.18/1 und dem Lied des unvergessenen Kolumbianers Antonio Calvo, „Gitana“. Dieser war an Lepra erkrankt und musste 30 Jahre in einer Anstalt verbringen, wo er seine Beobachtungen in Kompositionen verwandelte. Dem Duo ist viel Kraft für weitere Projekte zu wünschen.

Bernadette Gratz