„Melde gehorsamst”: 100 Jahre alt

„Der brave Soldat Schwejk" feiert dieser Tage seinen 100. Geburtstag

Im deutschen Sprachraum ist Schwejk vor allem durch die Kultserie „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ mit Fritz Muliar bekannt.
Im deutschen Sprachraum ist Schwejk vor allem durch die Kultserie „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ mit Fritz Muliar bekannt. © Picturedesk/EPA/Bajzat

Einer der berühmtesten Uniformträger der Welt feiert dieser Tage seinen 100. Geburtstag. Vor 100 Jahren, wahrscheinlich am 14. März 1921, erschien in Prag das erste Heft des Romans „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ vom tschechischen Autor Jaroslav Hasek.

Im deutschsprachigen Raum wurde Schwejk besonders durch die Kultserie „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ mit Fritz Muliar und eine Verfilmung unter der Regie von Axel von Ambesser, bei der Heinz Rühmann in der Titelrolle zu sehen ist, berühmt.

Der Roman beginnt mit der Ermordung des österreich-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand und den Worten „Also sie ham uns den Ferdinand erschlagen“, mit denen Schwejks Haushälterin vom Attentat berichtet. Doch Schwejk fragt nur: „Was für einen Ferdinand, Frau Müller?“

„Melde gehorsamst, ich bin blöd“

Mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Bauernschläue und Blödheit, ob nun echt oder gespielt, schummelt sich Schwejk durch seine ganze k.u.k.-Militärlaufbahn und bringt so manche Obrigkeiten zur Weißglut.

Nicht nur sein Vorgesetzter, auch der Leser fragt sich schnell: „Sind Sie so blöd?“ Schwejk antwortet: „Melde gehorsamst, ich bin so blöd.“

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Der Roman ist zum Teil autobiografisch.Einmal habe Hasek seinen einzigen Sohn Richard in eine Kneipe mitgenommen, um ihn seinen Kameraden zu zeigen, erzählt der Urenkel Martin Hasek. Und ihn dort prompt vergessen, als alle zur nächsten Spelunke weitergezogen seien. Manchmal sei Hasek wochenlang verschwunden, dann wieder diszipliniert gewesen. Den Siegeszug seines Werkes konnte der Autor nicht mehr miterleben — er starb im Jänner 1923 mit nur 39 Jahren an Tuberkulose.

In mindestens 58 Sprachen übersetzt

Bis heute ist der Roman in mindestens 58 Sprachen übersetzt worden. Die erste deutsche Übersetzung geht auf Grete Reiner zurück. Sie griff im Deutschen auf den Slang der Prager Handwerker und Dienstboten zurück. Sie habe „etwas völlig Einmaliges geschaffen“, meinte ein Kritiker anerkennend. Reiner wurde 1944 im deutschen KZ Auschwitz ermordet. Neuere Übersetzungen versuchen — mit unterschiedlichem Erfolg — näher am Original zu sein.

In Tschechien ist „Svejk“, wie er im Original heißt, zu einer Art Nationalheld geworden. Er schmückt nicht nur Brückengeländer und Sitzbänke. Auch zahlreiche Gasthäuser wurden nach ihm benannt. Der kleine korpulente Mann mit dem gutmütigen Gesichtsausdruck ziert außerdem zahlreiche Souvenirs. Auch als Sinnbild der nationalen Mentalität muss der tollpatschige Soldat herhalten — gerade auch in der Corona-Pandemie. „Das Problem der tschechischen Gesellschaft ist, dass wir alle Schwejks sind“, sagte neulich ein bekannter Mediziner. Und kritisierte damit, dass viele Menschen die Corona-Regeln nicht einhalten und den Mundschutz unter der Nase tragen würden.

Was hätte wohl Schwejk zur Pandemie gesagt? „Wenn dieser Krieg aus ist, so komm mich besuchen“, antwortet der Urenkel des Autors mit einem Zitat aus dem Ende des Romans.

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