Mercedes hofft auf Aufwind im unbekannten Miami

Die Formel 1 feiert eine spektakuläre Premiere im „Sunshine State“ Florida. Beim ersten Freien Training am Freitag jagen die Boliden erstmals um den Football-Tempel der Miami Dolphins im Norden der Metropole. Die Strecke ist völlig unbekannt und konnte von den Fahrern lediglich am Simulator getestet werden. Mercedes-Teamboss Toto Wolff deutete im Vorfeld Verbesserungen bei den „Silberpfeilen“ an. Ob die ausreichen, um Ferrari und Red Bull näher zu kommen, bleibt abzuwarten.

Der siebenmalige Weltmeister Lewis Hamilton gilt bekanntlich als großer USA-Fan, nur zu gerne würde Wolff seinen Schützling daher im Miami International Autodrome wieder um die vorderen Plätze kämpfen sehen. Zuletzt in Imola, wo Hamilton als 13. mehr als eine Runde Rückstand auf Sieger Max Verstappen hatte, habe Mercedes dem Engländer „nicht die Werkzeuge oder die Position im Feld gegeben, um seine wahre Pace zu zeigen“, sagte Wolff.

„Seit unserer Rückkehr aus Italien haben wir so viel wie möglich aus dem Wochenende gelernt, und parallel dazu haben wir im Windkanal und in Simulationen weitere Erkenntnisse gewonnen. Wir haben mehrere Wege gefunden, um das Auto zu verbessern“, erklärte der Wiener in der Vorschau des Rennstalls. Hamilton und George Russell hätten beide am Simulator gearbeitet, „und die Fabriken haben fleißig Updates für die nächsten Rennen produziert“.

Miami sei jedenfalls „ein kompletter Schritt ins Unbekannte“, betonte Wolff. Die 5,412 km lange temporäre Rennstrecke um das Hard Rock Stadium, die Heimat des NFL-Teams Miami Dolphins, warte „mit einer echten Mischung aus langsamen und schnellen Kurven, und sie wird ein spektakuläres Schaufenster für unseren Sport vor unserer wachsenden US-Fangemeinde sein“. An einigen Stellen – besonders im dritten Sektor – ist die Straße ziemlich eng, was die Wahrscheinlichkeit von Safety-Car- und virtuellen Safety-Car-Einsätzen erhöht. Laut Mercedes-Schätzungen beträgt der Vollgas-Anteil 56 Prozent der Rundenzeit. Spitzengeschwindigkeiten von etwa 320 km/h können erreicht werden.

Red Bull Racing ist nach dem Doppelsieg im Autodromo Enzo e Dino Ferrari oben auf. Weltmeister Verstappen siegte vor Teamkollege Sergio Perez und sorgte zugleich für Ernüchterung bei „Gastgeber“ Ferrari. Der WM-Führende Charles Leclerc landete auf Rang sechs, Carlos Sainz schied aus. „Ich denke, dieses Wochenende wird ziemlich verrückt“, blickte Verstappen voraus. „Es ist spannend mitzuerleben, wie die Formel 1 in den USA viel größer wird.“ Der Monegasse Leclerc liegt im Gesamtklassement dennoch 27 Punkte vor Verstappen und wird die USA somit in jedem Fall als WM-Führender auch wieder verlassen.

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„Für Ferrari war Imola ein Wake-up-Call“, sagte ServusTV-Experte Christian Klien, der Verstappen im WM-Duell etwas abgebrühter einschätzt als dessen Widersacher in Rot. „Für Max spricht die Erfahrung aus 2021. Mehr Druck als im letzten Jahr geht nicht. Und trotzdem hat er sich nie aus der Ruhe bringen lassen.“ Leclerc sei aber ein schlauer Pilot, der schnell aus dem Rückschlag lernen werde. „Ferrari hat bisher gezeigt, dass man das Auto sehr schnell auf den Punkt bringen kann. Aber auch Red Bull gewinnt mit jedem Rennen mehr Erkenntnisse, in welchem Bereich das Auto optimal funktioniert. Diese beiden Teams werden wieder komplett auf Augenhöhe sein.“

ServusTV überträgt das erste freie Training (20.30 Uhr MESZ) im Livestream und ist ab dem zweiten Training auch im linearen Fernsehen live. Klien freut sich darauf: „Der lange Traum, in Amerika Fuß zu fassen, ist endlich realisiert worden“, sagte Österreichs bisher letzter Formel-1-Pilot mit Renneinsatz. „Liberty Media hat definitiv den Markt geöffnet, die Netflix-Serie hat sicher auch viel ausgemacht. Texas hat letztes Jahr vor ausverkauften Tribünen stattgefunden, die Einschaltquoten waren enorm.“

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