Meschuggenes zum Weinen schön

Das Klezmer Connection Trio im Schloss Traun

Das Klezmer Connection Trio: emotionsgeladen und kraftvoll in Traun.
Das Klezmer Connection Trio: emotionsgeladen und kraftvoll in Traun. © Hammer

„Ausverkauft!“ jubeln am Samstag in Traun die Gastgeber des Klezmer Connection Trio, obwohl gleich nebenan ein zweites Konzert mit Peter Ratzenbeck über die Bühne ging.

Nicht leicht fiel die Entscheidung zwischen dem Gitarrenvirtuosen in der Spinnerei und den nicht minder meisterhaften Klezmerims im Schloss Traun

„Zum Weinen schön“ heißt das Konzertprogramm mit Georg Winkler an verschiedenen Klarinetten, Hubert Kellerer am Akkordeon und Peter Aradi am Kontrabass. Klezmer, die Festmusik der Ostjuden, angereichert mit bulgarischer, rumänischer, russischer Folklore, reizt über Jahrhunderte Musiker zum Experimentieren.

Entlang der ständigen Gleichzeitigkeit von Lebensfreude, Trauer, Tod und Sinnlichkeit entstehen virtuose Klanggemälde — wild, zärtlich, verrückt, funky, frech, witzig, sphärisch — einfach meschugge.

So behutsam beginnt ein Dialog

Einen kaum hörbaren Ton haucht die Knopferlharmonika, hoch und tief zugleich, daneben tappt leise ‘was auf dem Kontrabass, die Klarinette flüstert. So behutsam beginnt ein Dialog, Worte braucht es nicht. Verschwörerisch blicken die Musiker sich in die Augen, dann explodieren Emotionen und Töne als gäbe es kein Morgen. Corona hindert am Aufspringen und Tanzen.

Sie schluchzen und jubeln zwischen Dur und Moll, tänzeln auf Tonleitern, nehmen sich improvisatorische Freiheiten von schmerzhaften Höhen bis tief in die Magengrube. Der Bass holt zurück auf den Boden und zur gemäßigten Rhythmik. In allen Gefühlslagen und Tempi spielt der leidenschaftlich innige Dialog zwischen den Instrumenten fast immer um schöne Frauen und das zugehörige Brennen im Herzen. Ein fruchtbarer (Tanz-)Boden für spontane Triller, Verzierungen, abrupte Wechsel, Schelmenspiel und weiter Raum für freie Improvisation.

Das Klezmer Connection Trio steht für emotionsgeladene und kraftvolle Hingabe an die jiddischen Lieder, deren Geschichten und Überlieferungen. Ihre Interpretationen voll lyrischer Eleganz und feuriger Virtuosität führten in 22 Jahren durch 24 Länder auf drei Kontinenten.

„Durch den Fleischwolf drehen“, nennt Georg Winkler seine unbändige Lust am Zerlegen und Neuzusammensetzen von Traditionen mit anderen Musikstilen von Klassik bis Jazz. Als letzte Zugabe braucht der unsterbliche Klezmer-Hit keine Ansage „Bei Mir Bistu Shein“ als ultimative Bestätigung, dass große Künstler am Werk waren. Begeisterter Applaus!

Von Eva Hammer

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