Metaller-KV – Industrie: Vorkrisenniveau noch nicht erreicht

Kommenden Donnerstag (23.9.) startet die Metalltechnische Industrie in die Herbstlohnrunde, dafür haben heute die Arbeitgeber schon einmal ihre Pflöcke eingeschlagen: Die Produktion wird heuer lediglich knapp das aufholen was im Vorjahr verlorengegangen ist – auf den Margen lasten die Lieferengpässe und die Lohnstückkosten liegen deutlich über dem Schnitt in der Eurozone. Ein Abschluss der Kollektivvertragsverhandlungen „mit Vernunft und Augenmaß“ sei daher nötig.

Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA haben heute umgehend dem Wunsch nach Zurückhaltung bei den Lohnforderungen eine Absage erteilt. „Im Pandemiejahr 2020 haben wir sehr verantwortungsvoll gehandelt. Heuer sind die Voraussetzungen gänzlich andere. Es gibt ein sensationelles Wirtschaftswachstum, die Auftragsbücher in der Industrie sind voll und die Produktivität in der Warenherstellung steigt laut den Wirtschaftsforschern um 3,3 Prozent. Es ist Zeit für einen kräftigen Reallohnzuwachs“, betonten die beiden Chefverhandler auf Arbeitnehmerseite, Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Dürtscher (GPA).

Vergangenes Jahr wurde in nur einer Verhandlungsrunde ein Abschluss auf Höhe der damaligen Jahresinflation von 1,45 Prozent erzielt. Heuer liegt die Jahresteuerungsrate bei 1,89 Prozent. Traditionell kommt dazu noch der Produktivitätszuwachs. Christinan Knill, Obmann der Metalltechnischen Industrie, erwartet heuer eher langwierige Verhandlungen, haben doch die Gewerkschaften bereits angekündigt, dass es im Geldbörsel der Arbeitnehmer „rascheln“ muss.

Die 1.200 Betriebe der Branche beschäftigen über 134.000 Mitarbeiter, die mit einem Produktionswert von 36 Mrd. Euro ein Viertel der gesamten Industrie erwirtschaften. 85 Prozent der Betriebe aus dem Bereichen Maschinenbau, Metallwaren, Stahlbau, Automotive, Zulieferindustrie und vieles mehr sind familiengeführt. 4,6 Prozent von ihnen sind noch in Kurzarbeit.

Im Großteil der Branche seien die Auftragsbücher gut gefüllt, „aber wir kriegen die Ware nicht raus“, so Knill zu den derzeitigen Lieferproblemen. In seinem Werk in Weiz (Steiermark) fehlten Alurohre und Schrauben, er könne aber erst ausliefern, wenn die Maschinen komplett fertig seien. Dazu kämen steigende Kosten, so müsse für einen Container aus Asien nunmehr das Vierfache wie vor der Coronapandemie bezahlt werden. 45 Prozent der Mitgliedsbetriebe würden geringere Margen als in den Vorkrisenjahren erwarten. Alleine die Mehrkosten bei Stahl würden sich auf 4,3 Mrd. Euro belaufen.

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Nicht nur die Nachwirkungen der Pandemie, auch die derzeit anziehende Inflation macht die Verhandlungen heuer schwierig. Traditionell werden die vergangenen zwölf Monate herangezogen, das wären 1,89 Prozent. Allerdings lag die Teuerung im Juni im Jahresvergleich bei 2,8 Prozent und im Juli bei 2,9 Prozent. Für August liegen noch keine Zahlen vor, die Prognose der Statistik Austria beträgt 3,1 Prozent.

„Wir dürfen den Fehler von 2008 nicht wiederholen, damals wurde zu hoch abgeschlossen“, so Knill am Donnerstag vor Journalisten. 2008 wurde eine Einigung bei 4,2 bis 4,5 Prozent erzielt, bei einer Jahresinflation von 3,5 Prozent. Dies und eine Inflationsrate über dem Euroraum hätten dazu geführt, dass die Lohnstückkosten über dem Schnitt im Euroraum liegen. Genauer betrachtet liegen sie zwar knapp unter Deutschland, aber deutlich über Tschechien, Polen und der Slowakei. Dies könnte dazu führen, dass Produktionskapazitäten in den Osten verlager würden, so Knill. Asien hingegen sei „nicht mehr so attraktiv“.

Knill rechnete vor, dass die Verbraucherpreisindizes von 2005 bis 2021 um 32 Prozent, die KV-Abschlüsse aber um 49 Prozent zugelegt hätten. Das Durchschnittsgehalt eines Angestellten in der Metalltechnischen Industrie würde heuer bei 4.447 Euro brutto monatlich liegen, bei einem Arbeiter betrage es 3.125 Euro im Monat.

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