Michael Wollny: Mondenkind

Fast jeder bedeutende Jazz-Pianist wagt es irgendwann: den Rückzug, die Beschränkung auf sich selbst — das Soloalbum.

Meister der Improvisationskunst am Klavier wie Thelonious Monk, Bill Evans, Keith Jarrett oder Brad Mehldau nahmen so einige ihre kühnsten Werke auf. Michael Wollny (42) tritt nun mit „Mondenkind“ in den Club der großen Piano-Jazz-Solisten ein. Der in Schweinfurt geborene, seit längerem in Leipzig lebende Musiker hat schon eine atemberaubende 20-jährige Karriere hinter sich.

Als Bandleader und in verschiedenen anderen Ensembles, zuletzt mit der All-Star-Truppe 4 Wheel Drive neben Nils Landgren, Lars Danielsson und Wolfgang Haffner, schaffte er es als einer von wenigen Jazzern regelmäßig in die Albumcharts. Ob das auch mit dem introvertierten Solo-Werk „Mondenkind“ gelingt, bleibt abzuwarten — höchste Wollny-Qualität haben jedenfalls auch diese Aufnahmen mit zehn Eigenkompositionen und fünf fremden Stücken.

Der Plan für eine solche Platte wurde durch die Corona-Pandemie im Frühjahr vorangetrieben. Was Wollny aus der ungewohnten Situation gemacht hat, in Stücken über Alleinsein, Einzelgänger und Unikate, ist erneut staunenswert. Der Jazz-Pianist überzeugt sowohl in impressionistischen Passagen mit viel Raum zwischen den Tönen als auch in zugänglichen Pop-Melodien, etwa von Tori Amos oder Sufjan Stevens.

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