Michelangelo mit Muße und Zeit

Die Sixtinische Kapelle zu Gast in der Karmelitenkirche in Linz

Wohl eines der berühmtesten Motive der Kunstgeschichte: Michelangelos „Die Erschaffung Adams“— bis Dezember in der Karmelitenkirche in Linz zu sehen.
Wohl eines der berühmtesten Motive der Kunstgeschichte: Michelangelos „Die Erschaffung Adams“— bis Dezember in der Karmelitenkirche in Linz zu sehen. © Exhibition 4 You

Zeit und Ruhe — beides darf man sich beim Betrachten der unglaublichen Fresken in der Sixtinischen Kapelle in Rom nicht erwarten. Überdimensional und imposant erstrecken sich die Gemälde von Michelangelo in dem Raum, doch nie ist man der einzige, der die Werke sehen will, nie bleibt einem die Zeit, Details zu betrachten. Die nächsten Besucher drängen bereits herein …

Eine Wanderausstellung, die von Graz nach Linz gekommen ist, macht nun genau dies möglich: Das Verweilen, das Betrachten, das Versinken in einzelne Fragmente. Von 22 Metern Höhe auf den Boden der Krypta der Karmelitenkirchen im Herzen von Linz ist das Deckengemälde der Sixtina gewandert und kann so ganz aus der Nähe und mit aller Muße betrachtet werden — inklusive wohl einer der berühmtesten Darstellungen in der Kunstgeschichte, „Die Erschaffung Adams“. Das Besondere an der Ausstellung ist auch, dass die Malerei komplett gezeigt wird.

Vom Vatikan lizenziert, aufwendig reproduziert

Die Ausstellung „Der andere Blick“, die seit gestern in den unterirdischen Räumlichkeiten der Kirche an der Landstraße zu sehen ist, ist unter der Lizenz des Vatikan entstanden, die Bilder wurden aufwendig reproduziert und können in Linz mit ganz spezieller Führung erlebt werden. Niemand Geringerer als Michelangelo selbst, der Meister, der zwischen 1508 und 1512 im Auftrag von Papst Julius II. das über 500 Quadratmeter große Werk fertigte, gibt via Audioguide Einblicke in sein Schaffen. Auch Dichtungen des Meisters sind in die Schau aufgenommen worden und können in einem überdimensionalen Buch gelesen werden.

„Wir freuen uns sehr als Karmeliter in Linz, dass diese Ausstellung zu uns gekommen ist“, betont Prior Pater Paul Saji: „Die Gemälde gehören mit zu den Berühmtesten der Welt.“Durch die Schau in der Krypta können sie nun auch von Menschen in Linz und Umgebung betrachtet werden. Man denke auch über eine Verlängerung der Ausstellung, die vorerst bis 7. Dezember geplant ist, nach. Möglich gemacht wurde die Exhibition von der Firma Vivir Holding. „Wir wollen diese Räumlichkeiten auch in Zukunft für Ausstellungen und Veranstaltungen öffnen. Diese großartige Schau hat sich sehr gut dafür angeboten und wir hoffen, dass die Sixtinische Kapelle auch in Linz zum Besuchermagneten wird“, betont Geschäftsführer Mario Zottele.

Geöffnet ist „Der andere Blick“ montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr. Karten gibt es vor Ort.

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