Migrantenkinder mit Lern-Defiziten

Auch bei Motivation hapert es laut OECD-Studie, aber sie sind gerne in der Schule

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Schüler mit Migrationshintergrund sind in Österreich motivierter als die „einheimischen“ Schüler, aber: Während im OECD-Schnitt 70 Prozent der Migrantenkinder zur Gruppe der Motivierten gehören, sind es in Österreich 57 Prozent — gegenüber von mehr als 80 Prozent in angloamerikanischen Ländern.
Schüler mit Migrationshintergrund sind in Österreich motivierter als die „einheimischen“ Schüler, aber: Während im OECD-Schnitt 70 Prozent der Migrantenkinder zur Gruppe der Motivierten gehören, sind es in Österreich 57 Prozent — gegenüber von mehr als 80 Prozent in angloamerikanischen Ländern. © dpa

Vergleichsweise leistungsschwach, nicht über Gebühr motiviert, aber nicht ungern in der Schule: So lässt sich eine nun veröffentlichte OECD-Studie über Schüler mit Migrationshintergrund für Österreich auf den Punkt bringen. Diese Sonderauswertung der PISA-Studie bezieht sich auf das Jahr 2016, getestet wurden 15- bis 16-jährige Schüler in 72 Ländern in den Disziplinen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Das Ergebnis im Detail: Der Anteil jener Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln, die in allen drei Testgebieten mindestens grundlegende Kenntnisse aufweisen (Level 2 von insgesamt 6), liegt hierzulande bei 47 Prozent und damit signifikant unter dem OECD-Schnitt (54 Prozent) wie auch dem EU-Schnitt (55 Prozent).

 

Schwach ausgeprägt ist auch die Leistungsmotivation der Schüler mit Migrationshintergrund in Österreich: Insgesamt zählen 57 Prozent zur Gruppe der „Motivierten“ — im OECD-Schnitt sind es 70 Prozent, im EU-Schnitt 66 Prozent. Detail am Rande: Nur 43 Prozent der „Einheimischen“ gehören zur Gruppe der Motivierten.

Aber: 67 Prozent der Migranten gaben an, sich in der Schule zugehörig zu fühlen (OECD-Schnitt: 60 Prozent, EU-Schnitt: 58 Prozent).

Mit einem Migrantenanteil von 31 Prozent (nach OECD-Berechnungen) liegt Österreich sowohl über dem EU-Schnitt (21 Prozent) als auch über dem OECD-Schnitt (23 Prozent). Und: Der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund ist in Österreich zwischen 2003 und 2015 um zwölf Prozentpunkte gestiegen, im OECD-Schnitt aber nur um sechs Punkte.

 „Auf dem richtigen Weg“

In Österreich sei man „mit dem neu eingeschlagenen Kurs in der Bildungspolitik auf dem richtigen Weg“, meinte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) mit Blickwinkel OECD-Studie (siehe Bericht links). Konkret verweist er auf die frühe Evaluierung von Sprachkenntnissen und die gezielte Sprachförderung mit Deutschklassen ab Herbst 2018. Denn der OECD-Bericht zeige, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund bzw. anderen Erstsprachen als Deutsch schwächere PISA-Ergebnisse erzielen.

Sozio-ökonomische Faktoren

Zudem sei mit der Bildungsreform die Möglichkeit geschafffen worden, dass sozio-ökonomische Faktoren bei der Ressourcenvergabe herangezogen werden, so der Minister. Außerdem soll das Angebot außerschulischer Aktivitäten durch den Ausbau ganztägiger Schulformen forciert werden.

Zu nutzen und „durch gezielte Förderung zu unterstützen“ sei die höhere Leistungsmotivation von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, betont der Bildungsminister.