Milchbranche trotzt Corona-Sturm

Vorerst keine Preiseinbußen oder Lieferbeschränkungen in OÖ — Kritik an Import-Aktionen

Während europaweit im Zuge der Corona-Krise bereits Ängste vor einem riesigen Milchüberschuss und entsprechend dramatischen Einkommensverlusten für die Landwirte auftauchen, beurteilt man die Lage in Oberösterreichs Landwirtschaftskammer (LWK) derzeit gelassen: „Unsere Bauern haben momentan dank der Molkereien weder mit Preiseinbußen noch mit Lieferbeschränkungen zu kämpfen“, so Michael Wöckinger, Referent für Milchwirtschaft.

Eine Fahrt auf Sicht

Allerdings taste man sich in der Beurteilung der Marktsituation derzeit „Tag für Tag“ voran, da sich in turbulenten Zeiten Absatzkanäle schnell verschieben können — gerade angesichts der Position von Österreich als Milchexporteur mit wichtigen Absatzmärkten in Deutschland und Italien.

Aber auch die Marktentwicklung „auf der großen Drehscheibe China“ versuche man laufend im Auge zu behalten. Die nächsten Fixpunkte auf der Straße der Hoffnung auf Normalisierung sind für Michael Wöckinger und Oberösterreichs Milchbauern die vorerst mit 15. Mai datierte stufenweise Öffnung von Gastronomie und Hotellerie sowie eine Aufhebung der Behinderungen an den Grenzübergängen.

Kritik übt der Referent der Landwirtschaftskammer OÖ aber an bereits wieder einsetzenden Diskont-Aktionen des heimischen Lebensmittelhandels mit importierten Milchprodukten. „Angesichts derartiger Angebote kann ich nur an die Konsumenten appellieren: Kauft heimische Ware, dann tut ihr euch etwas Gutes und tut der Landwirtschaft etwas Gutes!“

Mit Sorge blickt Michael Wöckinger derzeit auch gen Himmel: „Wann beginnt es endlich zu regnen?“ Die Grünlandflächen bräuchten dringend Feuchtigkeit, um entsprechende Futtererträge abzuwerfen. Sollten nämlich aufgrund fehlender Futtermittel mittelfristig weitere Rinder auf dem Markt landen, werde die dort bereits angespannte Lage endgültig eskalieren.

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