Miliz rückte in der Südsteiermark mit Abständen ein

Am Montag um 8.00 Uhr war es in der Steiermark soweit – zum ersten Mal wurde die Miliz teilmobilisiert: Rund 130 Mann der Jägerkompanie Deutschlandsberg rückten ab 8.00 Uhr beim Jägerbataillon 17 im südsteirischen Straß ein.

Dann schlug die Stunde für knapp 200 Soldaten der 1. Kompanie des Jägerbataillons Steiermark – diese meldeten sich in der Landwehrkaserne im obersteirischen St. Michael.

In Straß kamen die Milizsoldaten nicht wie sonst üblich direkt in die Erzherzog-Johann-Kaserne, sondern stellten ihre Privatfahrzeuge am Parkplatz in der Skudierallee ab, wo die Werkstätten und Garagen für die Pandur-Radpanzer liegen.

Doch vor dem Eintritt ins Areal fassten die „Milizler“ Mund-Nasen-Masken vom Typ „Digital-Tarn“ aus, wurden auf das Einhalten der Abstände hingewiesen und vom medizinischen Personal befragt und die Körpertemperatur wurde gemessen. Hätte jemand angegeben, sich nicht gut zu fühlen, wäre er sofort isoliert worden, so die verantwortlichen Offiziere. Tests werden nach Wien geschickt, am Dienstag sollte das Ergebnis da sein. „Der Test ist ja auch Österreich-allgemein von Interesse“, sagte Oberst Edgar Strasser zur APA. Am Montag musste niemand isoliert werden.

Das übliche Prozedere – medizinischer Check, Ergänzen der Ausrüstung, Ausfassen der Waffen, Einweisung erfolgte diesmal mit größeren Abständen, wofür die Fahrzeughallen wie geschaffen waren. Die Kaserne selbst wird nur zum Mittagessen betreten. Am Abend geht es laut dem Chef des Jägerbataillons 17, Major Georg Pilz, mit Heeres- und Privatbussen auf den Truppenübungsplatz Seetaler Alpe bei Judenburg. Am dortigen Gelände hausen die Milizsoldaten laut Oberleutnant Christian Rath in drei Objekten, in drei Jägerzüge gegliedert. “Der Gedanke dabei ist, dass die Soldaten so wenig wie möglich untereinander in Berührung kommen sollen. Laut Major Pilz werden die Lehrsäle und Einrichtungen nach jedem Gebrauch desinfiziert. Und bei den Soldaten werde dann täglich Fieber gemessen. In den Unterkunftszimmern für acht Personen werde nur jedes zweite Bett belegt.

Ausgebildet werden die Soldaten nun zwei Wochen lang u.a. – als eine Art „Auffrischung“ – im Gebrauch von Pi80-Pistole und dem Sturmgewehr StG77 sowie im Funkdienst, um mit der Polizei im Assistenzeinsatz kommunizieren zu können. Die Landespolizeidirektion stellt Ausbilder zur Verfügung, die rechtlichen und einsatzmäßigen Aspekte bei der Grenzkontrolle lehren.

Als „Begrüßungsgeschenk“ gab es für die Soldaten ein Packerl mit Zeitschriften, Energy-Drinks, Kaffee und Rasierset, wie es eigentlich sonst die zur Stellung kommenden jungen Männer erhalten. Die Abläufe wirkten am Montag in der Früh routiniert, wenn auch der Anlass des Einrückens ein überraschender war: „Das hätten wir vor zwei Monaten noch nicht gedacht, dass wir einberufen werden“, sagte Oberleutnant Rath aus Voitsberg, im Zivilberuf Flugzeugtechniker in Wiener Neustadt.

In St. Michael rücken die Soldaten nur in die Kaserne ein, die Ausbildung erfolgt in angemieteten Objekten in der Umgebung, die Unterbringung in zwei Hotels in Kraubath und Niklasdorf.

Bei der Jägerkompanie Deutschlandsberg kamen von 220 Soldaten rund 130, die anderen waren freigestellt bzw. beruflich unabkömmlich. Nach den Erfahrungswerten bisheriger Übungen müsse man mit Ausfallsraten von rund 25 Prozent rechnen, dies dürfte auch auf die Zahl der Einrückenden von St. Michael umzulegen sein.

Beide Kompanien sollen laut Militärkommando Steiermark im Assistenzeinsatz an der Grenze sein – und zwar sowohl bei der Überwachung des Grenzraums als auch bei der Unterstützung der Exekutive und der Gesundheitsbehörden gegen Covid-19. Bei letzterem Einsatz assistieren die Milizsoldaten an den geöffneten Grenzübergängen zwischen der Steiermark und Slowenien. Der Einsatz soll gesamt drei Monate dauern.

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