Mindestens sechs Tote nach Kämpfen in Myanmar

Bei Gefechten in Myanmar zwischen der Armee und bewaffneten Widerstandskämpfern sind in den vergangenen Tagen mindestens sechs Rebellen getötet worden. Mehr als zehn weitere seien verletzt worden, teilte ein Sprecher der Verteidigungskräfte von Chinland (CDF) am Sonntag mit. Myanmar befindet sich seit einem Militärputsch am 1. Februar in Aufruhr.

Einige Anhänger der Protestbewegung gegen die Militärjunta haben örtliche Milizen gegründet, die mit selbst gebauten Waffen ihre Städte vor den Sicherheitskräften schützen wollen. Im Zuge der Proteste wurden bisher nach Angaben einer örtlichen Organisation mindestens 790 Zivilisten getötet.

Im westlichen Teilstaat Chin haben sich einige Bewohner zur CDF zusammengeschlossen. Chin hat sich zuletzt zu einem Brennpunkt im Konflikt im Land entwickelt. Dem CDF-Sprecher zufolge wurden die Milizenmitglieder in der Stadt Mindat getötet. Das Militär nahm dort demnach zudem fünf Bewohner fest.

Der Nachrichtenagentur AFP sagte der Sprecher, dass CDF-Kämpfer mehrere Armeefahrzeuge in Brand gesteckt und zerstört hätten. Zudem hätten sie Soldaten in einen Hinterhalt gelockt. Das Militär griff Mindat den Angaben zufolge seinerseits mit Artillerie an. Am Sonntag habe sich die CDF dann in den Dschungel zurückgezogen. „Wir werden nicht mehr in der Stadt bleiben“, sagte der Sprecher. „Aber wir werden bald zurückkommen, um anzugreifen.“ Bisher verfüge die CDF nur über selbst gebaute Waffen.

Die Junta hatte am Donnerstag das Kriegsrecht über Mindat verhängt. Der CDF-Sprecher sagte, die verbliebenen Bewohner der Stadt wagten es nicht, ihre Häuser zu verlassen, da sie Angst hätten, von Soldaten attackiert zu werden.

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Großbritannien und die USA hatten sich am Samstag alarmiert über die Lage in Mindat gezeigt und die myanmarischen Streitkräfte zu einem Ende der Gewalt aufgefordert. „Der Einsatz von Kriegswaffen gegen Zivilisten durch das Militär, wie er in dieser Woche auch in Mindat stattfand, zeigt erneut, in welche Tiefen das Regime zu sinken bereit ist, um an der Macht zu bleiben“, schrieb die US-Botschaft im Online-Dienst Twitter. Die britische Botschaft erklärte, die Gewalt in Mindat sei „nicht zu rechtfertigen“.

Die Staatszeitung „New Light of Myanmar“ berichtete unterdessen von der Einberufung eines Militärgerichts, vor dem Verantwortlichen für „Terroranschläge“ in Mindat der Prozess gemacht werden soll. Demonstranten gegen die Militärjunta solidarisierten sich mit den Menschen in Mindat. In Hpakhant im Norden des Landes hielten Protest-Teilnehmer Plakate mit der Aufschrift: „Bleib stark, Mindat!“ in die Höhe.

Auch in anderen Landesteilen gab es erneut Proteste gegen die Militärmachthaber. Die Demonstranten fordern unter anderem die Freilassung der abgesetzten De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi.

Papst Franziskus rief in einer Sondermesse für Myanmar am Sonntag zu Frieden in dem südostasiatischen Land auf. In seiner Predigt im Petersdom verurteilte Franziskus die Gewalt durch das Militär und forderte die Christen in Myanmar auf, den Glauben zu bewahren. „Liebe Brüder und Schwestern, in diesen Tagen, in denen euer geliebtes Land Myanmar Gewalt, Konflikt und Unterdrückung erlebt, lasst uns fragen: Was sollten wir bewahren? In erster Linie: den Glauben“, sagte Franziskus. Franziskus hat in den vergangenen Wochen immer wieder scharfe Kritik am brutalen Vorgehen der Militärjunta gegen friedliche Demonstranten in Myanmar geübt.

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