Minigolf und ein Instagram-Archiv

„BestOff“: Die Linzer Kunstuniversität zeigt wieder ausgewählte Arbeiten von Studenten

„Lochtopia“: Die Lochutopisten spielen Minigolf im öffentlichen Raum (l.); „VW Prolo taking Kevin out for a walk“ von Edgar Lessig

Von Melanie Wagenhofer

„Diese Ausstellung spiegelt die spätere Realität wider, indem sie den Studenten die Möglichkeit bietet, ihre Arbeiten zu bewerben“, sagt Neo-Rektorin Brigitte Hütter bei der Präsentation. Und was da — übrigens zum 16. Mal — als „BestOff“ ausgewählt wurde, zeigt nicht nur, wie Hütter sagt, „die ganze Bandbreite dieser Universität“, es kann sich auch wieder sehen lassen: ein bunter, innovativer Strauß an Kunstwerken, mit denen die Linzer Kunstuni eine tolle Visitenkarte abliefert.

Aus 153 Bewerbungen hat eine Jury 52 Arbeiten ausgewählt, die die Jahresausstellung der Kunstuniversität von heute bis 22. Oktober bei freiem Eintritt an vier Standorten präsentiert. Dabei geht es um Arbeiten, die realistische Zukunftsperspektiven zeigen (AEC), um Spekulatives (Brückenkopfgebäude West), um Kunst, die sich räumlich verortet (Brückenkopfgebäude Ost) und um Selbstreflexion der Kunst (splace am Hauptplatz). Die Themen der einzelnen Arbeiten reichen von Migration über Klimaschutz bis hin zu Nationalismus, genauso breit gestreut die Darstellungsformen von Malerei, Fotografie und Installation bis Video und Performance.

Auf Instagram hat sich Sofia Braga in „I stalk myself more than I should“ konzentriert, Beiträge aus verschiedenen Profilen, die sonst nach 24 Stunden wieder verschwinden, archiviert und neu zusammengestellt und liefert so ein spannendes Bild unserer Zeit. Eine andere Arbeit lässt einen verschwundenen Ort wieder auferstehen: Mario Oliver Benatzky hat für „Der Kapitän und seine Brücke.“ einen Überrest der abgerissenen Eisenbahnbrücke, einen Pfeiler, erklommen, und dort gemalt. Die entstandenen Bilder und ein Video sind ausgestellt. Unter dem Titel „Lochtopia“ haben Die Lochutopisten einen Minigolf-Parcours im öffentlichen Raum gestaltet und durchbrechen damit die Anonymität in diesem Bereich.

Jalousien fangen durch Bewegung nach einer Choreografie zu tanzen an, die Geräusche, die sich daraus ergeben, komplettieren die spannende Installation mit einem besonderen Sound: „11-IJ-70-255“ von Clemens Niel spielt mit Licht und Raum.

Ihre eigene Geschichte webt Mahsa Teymouri in ihr berührendes Werk „Migration“ ein, für das sie Haare, die sie in verschiedenen Lebensphasen als Migrantin gesammelt hat, zum kaum sichtbaren Netzwerk verknotet.

Beim Betreten des splash wird der Besucher zum Störenfried, weil er einen Bildschirm berühren muss, der mit Störgeräuschen und weißen Linien reagiert: „TH-5OPHD7E“ von Stefan Tiefengraber. Drinnen kann man sich der als Spiel konzipierten Installation „Sellout“ von Onur Olgac stellen: Rücken an Rücken durchleben zwei Personen Zustände, bei denen es darum geht, zu kooperieren oder einander zu verraten.

Als zusätzliches Format dient die Critical Lounge, im Rahmen derer an acht Terminen während der Ausstellung zum Thema Kunst und Kulturbetrieb diskutiert und reflektiert wird.

https://bestoff.ufg.at

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