„Miss Saigon“-Produzent Mackintosh sieht sich als Chefkoch

In vielen Kulturbereichen gelten Produzenten als Graue Eminenzen im Hintergrund, die primär auf das Geld schauen. Anders ist im Musicalsektor, in dem das Berufsbild eher einem kreativen Mastermind – mit Geld – entspricht. Zu den Großen der Zunft gehört Cameron Mackintosh, oder seit 1996 besser: Sir Cameron Mackintosh. Der 75-jährige Brite, den die BBC bereits mit einer Dokumentation würdigte, steht etwa hinter dem Welterfolg „Miss Saigon“, der am Sonntag Wien-Premiere feiert.

Der Durchbruch gelang ihm 1981 mit „Cats“, dem 1986 „Les Misérables“ folgte – wie später bei „Miss Saigon“ mit dem Erfolgsduo Claude-Michel Schönberg and Alain Boublil. Das Stück produzierte er für den Broadway und war auch Teil des Produzententeams für die erfolgreiche Hollywoodverfilmung 2013. Mackintosh gilt heute als einer der einflussreichsten Theaterproduzenten der Welt, der sieben Theater in London besitzt.

Entsprechend findet sich Mackintoshs Name auch ganz oben auf den Plakaten für die Premiere der „Miss Saigon“ im Raimund Theater der Vereinigten Bühnen Wien. Aus diesem Anlass sprach der Sohn eines Schotten und einer Malteserin mit der APA über seine Stückideen, die allenfalls Durchschnitt seien, seine herausragenden Fähigkeiten und seine Rolle als Chefkoch.

APA: „Miss Saigon“ hat sich seit der Uraufführung 1989 zu einem der erfolgreichsten Musicals der Welt entwickelt. Weshalb bringen Sie es erst jetzt nach Wien?

Cameron Mackintosh: Es geht immer darum, das richtige Haus und diejenigen Menschen zu finden, die daran glauben. Das ist beim Theater immer so: Es geht um das Timing. Und Christian Struppeck (VBW-Musicalintendant, Anm.) wollte „Miss Saigon“ schon einige Jahre lang machen, aber wir wussten, dass wir dafür das Raimund Theater brauchten, das erst renoviert werden musste. Es ist nun genau das richtige Stück, um die Möglichkeiten der neuen Bühne zu zeigen. Insofern war für mich jetzt der richtige Zeitpunkt.

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APA: Blicken wir zurück. Wie ist „Miss Saigon“ einst entstanden?

Mackintosh: Das erste Mal habe ich von der Grundidee zu „Miss Saigon“ am Premierenabend von „Les Miserables“ gehört – der alles andere als ein Erfolg war… Schönberg und Boublil haben mich damals gefragt: Haben wir noch einen Job, worauf ich geantwortet habe: Das habt Ihr! Und dann haben sie mir von einer neuen Idee erzählt – und sechs Monate später habe ich den Titel „Miss Saigon“ das erste Mal gehört, und sie haben mir am Klavier eine erste Nummer vorgespielt. Und mir war vom ersten Moment an klar, dass ich diese Show machen möchte. Dieses Musical ist wie der Tanz auf der Rasierklinge.

APA: Wie genau kann man Ihre Aufgabe als Produzent umreißen?

Mackintosh: Es gibt verschiedene Typen von Produzenten – ich bin der kreative. Ich war etwa bei „Miss Saigon“ gemeinsam mit Schönberg und Boublil von Anfang an in den kreativen Prozess eingebunden. Mein Job ist zunächst einmal, dafür zu sorgen, dass der Schreibprozess gut läuft. Ich habe im Falle von „Miss Saigon“ über drei Jahre hinweg mit den beiden in Frankreich das Stück mit geschaffen. Und wenn diese Phase abgeschlossen ist, suche ich den Regisseur. Als das Team dann stand, hat es mich ewige Zeit gekostet, das richtige Theaterhaus zu finden. Ich bin also in jeden Schritt involviert.

APA: Gibt es Adaptionen für das jeweils lokale Publikum, wenn eine Produktion wie jetzt in Wien im Ausland zu sehen ist?

Mackintosh: Überhaupt nicht. Wir haben niemals irgendetwas verändert. Natürlich ist mir wichtig, dass das Ensemble sich das Stück so erarbeitet, als wäre es völlig neu, weshalb es viele neue Nuancen gibt, die von den Sängern kommen. Das ist genau, was mir Spaß macht.

APA: Ist es dabei hart für Sie, wenn sie Ihr „Baby“ hier auf Deutsch hören?

Mackintosh: Überhaupt nicht. Es ist spannend, meine Werke in verschiedenen Sprachen zu hören – und meine Shows wurden schon in 30 Sprachen übersetzt. Mir ist wichtig, dass es sich wie eine österreichische Produktion anfühlt und nicht wie eine Produktion, die irgendwo anders schon ein Hit war. Und ich spüre anhand der Publikumsreaktion, ob ein Stück nur wie eine Übersetzung oder wirklich wie ein Buch in der Originalsprache wirkt.

APA: Kann ein guter Produzent ein schlechtes Stück retten?

Mackintosh: Ein guter Produzent kann ein gutes Stück besser machen. Die paar Stückideen, die ich in meinem Leben selbst hatte, waren immer allenfalls Durchschnitt. Aber ich bin wahrscheinlich der Beste weit und breit, wenn es darum geht, tolles Ausgangsmaterial zu erkennen, es in eine Form zu bringen und das bestmögliche Team dafür zu engagieren. Das ist wie Kochen. Alle haben dieselben Zutaten, aber ein Spitzenkoch kann daraus ein außergewöhnliches Gericht zaubern. Und ich habe glücklicherweise einige gute Mahlzeiten hinbekommen. (lacht)

(S E R V I C E – )

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