Mit der Stärke einer Mutter

Hüseyin Tabak bringt mit „Gipsy Queen“ ein beeindruckendes Drama um eine Roma-Boxerin auf die Leinwand – Mit Tobias Moretti und Alina Serban

Ali lässt sich nicht abwimmeln, wartet am Arbeiterstrich in Hamburg darauf, von jemandem für einen Hungerlohn mitgenommen zu werden auf irgendeine illegale Baustelle. Dort muss sie nachts brutal schuften, sich jeden Cent mit ihrem Schweiß erarbeiten.

Regisseur Hüseyin Tabak macht es seiner Hauptfigur nicht leicht, sie muss ihr Durchhaltevermögen und ihre Stärke permanent unter Beweis stellen. Einzig im Kreis ihrer Kinder fällt die kraftvolle Fassade, Ali ist eine liebevolle alleinerziehende Mutter, die ihre Kinder immer im Fokus hat, ihnen buchstäblich mit jeder Faser ihres Körpers ein besseres Leben bescheren will.

Das Muttersein steht für Tabak im Mittelpunkt. In zweiter Linie ist Ali eine Roma, eine Frau, die in Hamburg, fern ihrer rumänischen Heimat, um ihr gesellschaftliches Überleben kämpft. Einen noch ganz anderen Kampf trägt Ali seit ihrer Kindheit im Boxring aus. Ihr Vater ließ ihr einst keine Wahl, sie musste die Boxhandschuhe anziehen und kämpfen, Jahre später ermöglicht ihr das Fighten nicht nur ein finanzielles Auskommen, es gibt ihr auch die Möglichkeit, in Würde zu leben.

Inspiriert von der eigenen Mutter

Dass Hüseyin Tabak diesen Film erzählt — inspiriert von seiner eigenen Mutter, die als Neunjährige nach Deutschland gekommen ist und sich ihren Weg immer erkämpfen musste — macht den Streifen noch eindringlicher. Der Spotlight ist ganz auf die Kraft einer Frau gerichtet, Alina Serban ist eine exzellente Wahl in der Rolle der Ali. Ihr zur Seite zeigt auch Tobias Moretti seine schauspielerische Bandbreite und, dass ein Tiroler eben nicht immer ein Tiroler, sondern durchaus auch ein abgehalfterter Boxer aus Hamburg sein kann. Moretti ist Tanne, der selbst am unteren Ende der Gesellschaft angekommen ist, in der Kiez-Kneipe „Ritze“ Schaukämpfe mit als Affen verkleideten Boxern moderiert. Als er Ali ihren Frust in einem Sandsack reinprügeln sieht, erwachen auch seine Sehnsüchte und Erinnerungen wieder und er beginnt, Ali zu trainieren.

Vereinzelt driften Szenen ins zu Erwartbare ab, aber gerade Alina Serbans Darstellung fängt auch diese Momente der Klischees ab. Am Ende ist es schön, einen Film gesehen zu haben, der eine Frau in den Fokus stellt, die sich Widrigkeiten mit einer selbstverständlichen Stärke entgegenstellt und meistert.

Für den Österreichischen Filmpreis ist „Gipsy Queen“ übrigens dreimal nominiert – Tobias Moretti als bester männlichen Darsteller, Judit Varga für die beste Musik und Hüseyin Tabak für das beste Drehbuch.

Ab sofort im Kino.

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