Mit dieser Premiere kehrte der gute alte Broadway nach Linz zurück

Stephen Sondheims Musical „Die spinnen, die Römer!“ im Musiktheater

Für das Stück sinnbildlich: Christian Fröhlich als Miles Gloriosus mit halsbrecherisch hohen Plateaus und riesigem Kopfputz.
Für das Stück sinnbildlich: Christian Fröhlich als Miles Gloriosus mit halsbrecherisch hohen Plateaus und riesigem Kopfputz. © Reinhard Winkler

Von Eva Hammer

„Schauspiel war gestern, heute wird gelacht!“ Stephen Sondheims (*1930, Uraufführung 1962) klassisches Broadway-Musical „Die spinnen, die Römer!“ feierte am Samstag im Musiktheater Linz Premiere. Irreführend der Titel – nein, da fliegen keine Hinkelsteine. „A Funny Thing Happened On The Way To The Forum“, so der Originaltitel der Komödie, hat nichts mit der naheliegenden Assoziation zu tun. Möglicherweise aber was mit dem Zaubertrank als mögliche Erklärung für das Tempo des Ensembles und das Multitasking aller Darsteller.

Berauschende Mixtur aus Tanz, Gesang, Slapstick

Regisseur Matthias Davids, Choreograf Simon Eichenberger und der musikalische Leiter Juheon Han verabreichen eine berauschende Mixtur aus Tanz, Gesang, Pantomime und Slapstick, ausgetüftelt bis ins letzte Detail mit starkem Einsatz des Chors (Daniela Dett, Selina dos Santos, Lynsey Thurgar). Schnell wie von Zauberhand verwandeln sie sich in Soldaten, brustwarzengepiercte Eunuchen, Piraten oder Sklaven in perfekt abgestimmten, komischen Formationen, präzise wie Uhrwerke.

Pseudolus, der Sklave des Hero, ersehnt seine Freiheit. Um die zu erlangen soll er seinem grünschnäbeligen Herrn (Lukas Sandmann) die Kurtisane Philia beschaffen, die wurde aber bereits an Miles Gloriosus verkauft. Sie sei an einer ansteckenden Krankheit gestorben, behauptet Pseudolus. Angesichts der Aktualität kurzes Atemstocken.

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Als Schein-Leiche muss Sklavenkollege Hysterium herhalten (urkomisch und vielseitig: Gernot Romic auf Rollschuhen!). Nebenan lebt das Ehepaar Domina und Senex. Domina wirft ein Auge auf Miles. Als Gesangshöhepunkt wechselt Sanne Mieloo im Lied zwischen liebender und keifender Gattin. Im Wortsinn stehen Tür und Tor offen für Verwechslungen, Verfolgungen, Begegnungen und ein mehr als furioses Happy End.

Gut dass David Arnsperger als Moderator am Beginn und nach der Pause erklärt, worum es überhaupt geht. Nicht so wichtig die Story, es zählt die Situationskomik. Getragen auch von Bühne und, als bedeutender Bestandteil, Kostümen. Anleihen aus klassisch römischen Klischees kombiniert Designerin Susanne Hubrich mit Elementen der Haute Couture, jeden Laufstegs würdig. Ungeniert gibt auch sie sich Klischees hin, so verpasst sie etwa Christian Fröhlich als Miles Gloriosus halsbrecherisch hohe Plateaus und einen riesigen Kopfputz als Zeichen der Größe gegenüber dem doofen Weibchen Philia.

Das Orchester sitzt im Obergeschoß des Kolosseums. Die Songs unterbrechen die Handlung, entschärfen wohltuend das Tempo und bringen einen Ansatz von Emotionen ins Tohuwabohu. David Arnsperger beherrscht die Komik des Pseudolus so überzeugend wie seinen schönen Bariton. Herzig Hanna Kastner als lispelndes Blondchen Philia, das als Running Gag nicht bis Drei zählen kann.

Ungebremster Nonsens, der ob seiner exzessiv antifeministischen Ungeniertheit ins Komische kippt. Wer sich dem Blödeln hingibt, hat viel zu lachen. Der kritische Zuseher kann sich am Können weiden. Eine Auferstehung der guten alten Broadway-Revue mit Musik von Stephen Sondheim, dem seriösen Meister des Genres. Verhaltener Applaus für eine sehr komische, perfekt gemachte Show.

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