Mit Kraft, Würde und Entschlossenheit

Saoirse Ronan glänzt in „Maria Stuart“ in der Rolle der Titelheldin

Saoirse Ronan als Maria Stuart
Saoirse Ronan als Maria Stuart © Focus Features

Von Renate Wagner

Das Leben schreibt die aufregendsten Geschichten, und die von zwei feindlichen Königinnen, die nicht aus dem Märchen, sondern der Realität des 16. Jahrhunderts kamen, ist immer wieder erzählt und auch verfilmt worden. Da war Maria Stuart (1542-1567), die Königin von Schottland, und Elizabeth I. (1533-1603), die Königin von England. Rivalinnen in allem — und die Schottin schien immer zu siegen: schöner, jünger, mehrfach verheiratet, Mutter eines Sohnes. Und außerdem eine „legitime“ Herrscherin, die Ansprüche erhob, den englischen Thron zu erben, da Elizabeth (aus der zweiten Ehe von Heinrich VIII, mit Anne Boleyn) von vielen als „Bastard“ betrachtet wurde …

Der feministische Aspekt ist besonders stark

Jede Menge brisantes Material für einen historischen Film, aber da er von einer Regisseurin — Josie Rourke — gedreht wurde, ist der feministische Aspekt besonders stark: Maria ist wie Elizabeth umgeben von entschlossenen Männern, die sie manipulieren wollen. Dazu kommen jede Menge Politik und Intrigen (der Drehbuchautor kennt sich aus, schrieb bei „House of Cards“ mit), religiöse Zwistigkeiten und persönliche Probleme der Königinnen. Was mit nicht wenigen historischen Fehlern belastet oder oft auch eher unübersichtlich gezeigt wird.

Es ist voll und ganz der Film der Titelheldin

Elizabeth I., die man aus der Geschichte als eisenhart kennt, tritt hier in Gestalt von Margot Robbie in den Hintergrund (und ist weicher gezeichnet, als man sie je gesehen hat), aber es ist voll und ganz der Film der Titelheldin, die von der Darstellerin Saoirse Ronan schlichtweg großartig entwickelt wird. Eingerahmt von ihrer Hinrichtung (Elizabeth ließ Maria, die bei ihr Schutz gesucht hatte, köpfen), erlebt man Maria Stuart von der Achtzehnjährigen, die jung verwitwet aus Frankreich zurückkehrt, um Schottlands Königin zu werden, durch all die Wirrnisse ihres Schicksals im darauffolgenden Jahrzehnt: Anfeindungen der Protestanten, Versuche ihrer Edelleute, ihr die Macht, an der sie entschlossen festhält, zu entreißen. Die Ehe mit einem Mann, der sich als wertlos herausstellt, Geburt eines Sohnes, den man ihr wegnimmt, und schließlich von England gelenkte bürgerkriegsartige Wirren, die sie ins Exil treiben.

Diese Exiljahre, die wir aus Schillers „Maria Stuart“ kennen, werden hier ausgespart, aber Saoirse Ronan hat immer noch genug zu erleiden, was sie mit Kraft und Würde und Entschlossenheit durchsteht — um dann doch unterzugehen. In einer Welt der Männer und durch die Eifersucht einer Frau, Rivalinnen in der Macht und in ihrer Weiblichkeit.