Mit Leidenschaft und Feingefühl

    Brucknerhaus Linz: 20-Jahr-Jubiläum des Eggner-Trios

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    V. l.: Georg, Christoph und Florian Eggner
    V. l.: Georg, Christoph und Florian Eggner © grox

    Von Paul Stepanek

    In den ersten 20 Jahren seines offiziellen Bestehens hat sich das vielfach preisgekrönte Eggner-Trio — bestehend aus den in St. Florian aufgewachsenen Brüdern Christoph (Klavier), Georg (Violine) und Florian Eggner (Cello) — einen Platz in den Musikzentren aller Kontinente erobert. Warum das so kam und welchen Stand der Klaviertrio-Kunst es auszufüllen vermag, demonstrierten die Egg- ners am vergangenen Mittwoch in ihrem Jubiläumskonzert im Linzer Brucknerhaus.

    Das kann sich überall hören lassen

    Zum Programm hatten sie sich zwei Hauptwerke des Genres, nämlich Franz Schuberts Klaviertrios in B-Dur und Es-Dur erwählt: Eine logische, nichtsdestoweniger seltene Konstellation, die den Musizierenden alles an Konzentration, Stilgefühl und Ausdrucksstärke abverlangt. Um es kurz zu sagen: Das Eggner-Trio wurde sowohl diesen Anforderungen als auch den hochgespannten Erwartungen an diesem Abend mehr als gerecht. Was die drei Musiker hier an spielerischer Ausgewogenheit der Stimmführung, Auskosten von dynamischen und agogischen Feinheiten und instrumentaler Spezifikation zeigten, kann sich in der Musikwelt überall hören und sehen lassen. Ja, auch sehen: Denn es ist ein Vergnügen, ihre mimische Kommunikation und die trotz Anspannung ins Gesicht geschriebene Freude an der Musik zu beobachten. Jeder der drei verfügt über einen ausgeprägten musikalischen Charakter, der aber — anders als in früheren Jahren — im Sinne der Klang-Homogenität und Werkdienlichkeit das Spiel nicht dominiert, sondern ihm reizvolle individuelle Farben gibt. So konnte denn das zauberhaft-melodiöse B-Dur-Trio wunderbar aufblühen und das Es-Dur-Trio fast orchestrale Wucht mit seinen Stimmungsbögen, die mit Kontrapunktik und Variabilität Schuberts kompositorische Meisterschaft besonders spüren lassen, in einen faszinierenden Einklang bringen.

    Der gut besuchte Abend klang mit einer Zugabe aus: Schuberts „Notturno“, ein klassisches „Nachtstück“, das mit Arpeggione- und Pizzicato-Effekten fast persiflierend die Stimmung eines Ständchens weckt, welche aber in romantischer Ironie von einer Art musikalischem Poltergeist konterkariert wird. Resümee: Helle Begeisterung für das von Leidenschaft und Feingefühl beseelte Spiel der Eggners.