Mobilität: Quo vadis?

Die Autobranche befindet sich seit ein paar Jahren im Umbruch, wie die vergangenen mehr als hundert Jahre nicht. Die Trends, die heuer auch in Österreich schlagend werden, sind Elektromobilität, autonomes Fahren und Mobilität als Service.

Volkswagen ID.3 © Volkswagen

Wie, womit und warum werden wir in Zukunft Autofahren? Diese Fragestellung ergibt sich fast zwangsläufig, weil sich die Mobilität im Umbruch befindet. Der Großteil der Mobilitätsleistung geht, heute wie auch in den nächsten zwei Jahrzehnten, auf das Auto zurück, sind sich Experten einig.

Das Auto bleibt also auf absehbare Zeit das Verkehrsmittel Nummer eins. Doch der Konsum von Mobilität, wie wir ihn jahrzehntelang praktiziert haben, erlebt gegenwärtig eine historische Zäsur. Was vor uns liegt, ist der Beginn eines neuen, multimobilen Zeitalters.

Mobilität als Service

Ein Trend, der dieses Jahr auch in Österreich noch stärker Fuß fassen wird, ist Mobilität als Service. Die Idee eines Auto-Abonnements, mit flexiblem Zugriff auf verschiedene Fahrzeuge und Mobilitätsmöglichkeiten, ist naheliegend – vor allem für eine junge, urbane Generation, für die der Autobesitz vielfach kein Statussymbol mehr ist. Denn heutzutage gibt es für alles Abos: Musik, TV, Spiele und sogar Kleidung. Laut einer von der Onlineplattform willhaben durchgeführten Automobilstudie steigt die Bedeutung und der Bedarf dieser Full Service-Mobilitätsangebote in Zukunft weiter an.

„Dabei müssen die Angebote deutlich über das Auto an sich hinausreichen“, sagt willhaben-Experte Michael Gawanda. Die Nutzer wollen alles aus einer Hand: Auswahlmöglichkeit, Bestellung, Anmeldung, Service, Versicherung, Pannenhilfe, aber auch die Zurverfügungstellung weiterer Fortbewegungsmittel (E-Scooter, Fahrräder und Co.). Gemeinsam mit dem öffentlichen Verkehr verschmelzen diese Angebote im urbanen Raum zu einem integrierten Service mit maximalem Komfort für den Nutzer.

Der zweifellos größte Trend ist aber die Elektromobilität. Nahezu jeder Hersteller bringt heuer rein elektrisch betriebene Fahrzeuge nach Österreich, von Seat über Honda, Opel, Peugeot, Mazda und Fiat bis zu VW. Vor allem der Wolfsburger Konzern, der in den nächsten Jahren knapp 60 Milliarden Euro in diese Technologie stecken wird, wird den Markt aufrühren, wenn im September der ID.3 auf den Markt kommen wird. Heuer geht es daher in dem Bereich voran, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer Leiter des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg Essen.

„Der richtige Durchbruch kommt aber 2022, weil dann harte Strafzahlungen drohen, wenn die CO2-Richtlinien für Neuwagen nicht eingehalten werden“, ist sich Dudenhöffer sicher, der zudem meint, „dass wir alle zu Tesla werden“. Mit dem Aufstieg der Elektromobilität werden die E- und Hybrid-Fahrzeuge auch für Unternehmen und deren Fuhrparks interessant. Ein Beispiel dafür ist die österreichische Post, die laut eigenen Angaben derzeit die größte E-Flotte des Landes besitzt.

Ins Abseits ist hingegen der Wasserstoffantrieb geraten. Diese Antriebstechnologie könnte zwar bei Nutzfahrzeugen und Bussen eine Rolle spielen. Beim Pkw sieht Dudenhöffer in den nächsten zehn Jahren „keine Chance auf einen Durchbruch“. Einerseits sind die Fahrzeuge zu teuer, zudem fehlt die Infrastruktur und die Energiebilanz ist ebenfalls enttäuschend.

Selbstfahrende Autos

Im Zusammenhang mit alternativen Antrieben und den Fahrzeugen der Zukunft ist oftmals auch von selbstfahrenden Autos die Rede. Die Weiterentwicklung von vernetzten Technologien wie Machine Learning und künstliche Intelligenz haben im Rahmen dessen enormen Einfluss. Vor allem die Frage, wie autonome Fahrzeuge komplexe Verkehrssituationen ohne menschliche Einwirkung lösen, beschäftigt die Entwickler. Derzeit sind vor allem „Level 0“ bis „Level 2“ Autos auf den Straßen unterwegs. Das bedeutet, dass vorwiegend der Mensch die Kontrolle innehat. Die Sensoren des Fahrzeugs liefern dem Fahrer lediglich Informationen oder wirken unterstützend (beispielsweise Abstandssensoren oder Einparkhilfen). In „Level 3“ bis „Level 5“ Fahrzeugen wird der Fahrer immer mehr zum passiven Beifahrer. Solche Modelle befinden sich bereits in Entwicklung, sind aber noch nicht am Massenmarkt angekommen.

Dass die Mobilität der Zukunft auch einen Rattenschwanz an Veränderungen in anderen Branchen mit sich bringt, davon geht Andreas Kößl, Vorstandsmitglied bei der Uniqa Versicherung aus. Diese betrifft nicht nur die Versicherungsbranche, die neue Produkte auf den Markt bringen muss. Auch für Autowerkstätten, Taxiunternehmen und Fahrschulen – wer braucht bei autonom fahrenden Autos überhaupt noch einen Führerschein? – werden die Änderungen massiv sein.

Ein weiteres Geschäftsfeld, auf das mittlerweile einige Unternehmen aufgesprungen sind, ist das der Ladeinfrastruktur, man denke an die Energieversorger oder klassische Tankstellenunternehmen, die mittlerweile Ladestationen anbieten. Den Kunden ist es dabei letztendlich egal, ob mit Gleich- oder Wechselstrom geladen wird – funktionieren muss es. Denn: „Die E-Auto-Besitzer wollen fahren und nicht laden“, sagt Andreas Blin von der has-to-be GmbH mit Sitz in Radstadt, die sich auf Software und Dienstleistungen für die E-Mobilitätsindustrie spezialisiert hat.

Und wie gehen die Autohersteller mit den Veränderungen um? Kooperationen – und nicht unbedingt Fusionen wie der überraschende Zusammenschluss von PSA (Peugeot, Opel, DS und Citroën) und Fiat Chrysler – werden mehr denn je Gebot der Stunde. Daimler und Geely, BMW und Jaguar/Land Rover oder Ford und VW machen es schon vor. Andere werden dem Beispiel folgen. Die Autoindustrie bleibt jedenfalls für Europa und speziell für Deutschland essenziell, auch als Arbeitgeber. Das ist wiederum gut für Oberösterreich – als Standort etlicher Zulieferbetriebe.

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