Morales floh ins mexikanische Exil

In Bolivien herrscht nach Rücktritt der Führung gefährliches Machtvakuum

Morales posierte mit einer mexikanischen Flagge im Flugzeug, das ihn ins Exil und damit in Sicherheit brachte.
Morales posierte mit einer mexikanischen Flagge im Flugzeug, das ihn ins Exil und damit in Sicherheit brachte. © AFP/Mexico's Foreign Ministry

„Schwestern und Brüder, ich breche nach Mexiko auf.“ Mit dieser Nachricht im Internet-Kurzmitteilungsdienst Twitter hat sich der zurückgetretene bolivianische Präsident Evo Morales von seinen Landsleuten verabschiedet. Die mexikanische Regierung hatte ihm zuvor Asyl angeboten und ein Flugzeug geschickt. Denn Morales’ Leben sei in Bolivien in Gefahr, sagte Mexikos Außenminister Marcelo Ebrard.

Nachdem auch der bolivianische Verteidigungsminister sein Amt niedergelegt hatte, steht das Land vorerst ohne Regierung da. Denn zuvor waren auch Vizepräsident, Senatspräsidentin und der Präsident der Abgeordnetenkammer zurückgetreten, die laut Verfassung eigentlich die Amtsgeschäfte übernehmen müssten.

Unterdessen herrschte im Land teilweise Chaos. Morales-Anhänger plünderten in La Paz und der Schwesterstadt El Alto Geschäfte und legten Feuer. Das Militär will nun mit der Polizei die Ordnung wiederherstellen.

Morales musste wie berichtet drei Wochen nach der Wahl zurücktreten. Ihm wird Wahlbetrug vorgeworfen. Der erste indigene Präsident Boliviens hatte 14 Jahre lang regiert. Weil er jedoch bis zur 200-Jahr-Feier der Unabhängigkeit 2025 im Amt bleiben wollte, hat er sich zum dritten Mal der Wiederwahl gestellt – obwohl die Verfassung höchstens ein Wiederantreten erlaubt.

Wie ist Ihre Meinung?