Mülltrenn-Wirrwarr: Was wo und warum in welche Tonne kommt

Unterschiedliche Trenn- und Sammelsysteme für Plastik und Metall in den Regionen, doch am Ende wird alles recycelt oder verbrannt

Recyclable garbage consisting of glass, plastic, metal and p

Von Renate Enöckl

LINZ —513 Kilogramm Abfall produziert jeder Oberösterreicher im Schnitt pro Jahr. Da stellt sich rasch die Frage nach der richtigen Entsorgung bzw. Trennung. Wirft man einen Blick auf die 438 Gemeinden im Land, zeigt sich, dass es ein paar unterschiedliche Sammelsysteme gibt. Was in welche Tonne kommt und ob der Müll abgeholt wird oder weggebracht werden muss, ist von Gemeinde zu Gemeinde oft unterschiedlich. Während etwa ein Grünbacher seinen Plastikmüll selbstständig ins Altstoffsammelzentrum (ASZ) bringen muss, braucht ein Ennser (wie viele weitere Landsleute auch) den Gelben Sack nur vor die Türe zu stellen — ja er darf darin sogar Metalldosen entsorgen.

„Die unterschiedlichen Systeme haben sich historisch entwickelt und basieren auf der Verpackungsverordnung aus dem Jahr 1993“, erklärt Thomas Anderer, Geschäftsführer des Landesabfallverbandes. Wie getrennt wurde, hing vom Ausbau der ASZ und vom Zugang zu Verbrennungsanlagen ab. Über die Jahrzehnte haben sich die Systeme zwar sukzessive weiterentwickelt, einheitlich geworden sind sie dennoch nicht. Dass Metall in manchen Gemeinden in die Gelben Säcke muss, liegt daran, dass die Kosten bei getrennter Sammlung in den Blauen Tonnen teurer kommen, als die spätere Trennung in der Sortieranlage in Hörsching, nennt Anderer ein Beispiel.

Ausgediente Müllinsel

Ein Trend hat sich jedoch durchgesetzt: Weg von den dezentralen Müllinseln, hin zum Abholsystem. Die öffentlichen Standorte seien nämlich nur allzu oft komplett vermüllt und verschmutzt und die Gemeinden sind nicht mehr bereit, die hohen Reinigungskosten zu übernehmen. Zudem ist die Zahl der Fehleinwürfe aufgrund der Anonymität sehr hoch, steht die Tonne beim Haus, verbesserte sich die Trennmoral. Daher stellt nun auch Linz wie berichtet beim Plastikmüll komplett auf das Abholsystem um.

ASZ auf strikte Trennung angewiesen

Wer in der Landeshauptstadt seinen „gelben Müll“ in eines der vier ASZ bringt, der wird feststellen, dass in diesem Fall Plastik nicht gleich Plastik ist. Der Plastikmüll muss weiter aufgesplittet werden und kommt in verschiedene Container. Damit wird eine weitere Sortierung am Förderband vermieden. „Je reiner der Müll ist, desto höher sind die Erlöse, durch die sich die ASZ finanzieren“, so Anderer. Somit kann 95 Prozent des Plastiks aus den ASZ recycelt werden, bei den Gelben Tonnen ist es ein Drittel. Allerdings haben auch die anderen zwei Drittel eine wertvolle Funktion: Sie werden u. a. zu Fernwärme für die Haushalte oder zu Dampf für die Lenzinger Zellstoffindustrie. Dass der Müll – wie manch Trennmuffel behaupten – am Ende wieder zusammenkommt, bleibt eine Mär.

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