Multiversum der parallelen Wirklichkeiten

Eröffnung des 10. Internationalen Schäxpir-Festivals

Marjan de Schutter und Martina Rösler
Marjan de Schutter und Martina Rösler © R. Winkler

Von Eva Hammer

„Multiversum. Alles ist echt“, das 10. Schäxpir-Festival bewegt sich auch heuer wieder am Puls der Zeit. Moderator Marcel Mohab landet bei der gestrigen Eröffnung im Astronautenanzug auf der Bühne der Kammerspiele.

„Ground Control to Major Tom“ intoniert der 20-köpfige Schmusechor aus Wien. Eine glanzvolle Eröffnung in Kombination mit einem Geburtstagsfest im Kreis einer riesigen Familie aus Schauspielern, Organisatoren und vielen, die das internationale Ereignis begleiten, ermöglichen oder derzeit mit Feuereifer im Einsatz stehen. Den Schäxpir-Urknall zündeten 2002 Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer, Festivalleiter Julius Stieber, der künstlerische Leiter Stephan Rabl und Produktionsleiter Alfred Rauch.

Heuer lobte Landeshauptmann Thomas Stelzer „tatkräftige Visionäre, kreative Kunstschaffende und nicht zuletzt ein Publikum, das sich immer wieder auf Neues einlässt“. Anstelle eines Manifests summieren die Festivalleiterinnen Cornelia Lehner, Julia Ransmayr und Sara Ostertag ihr „Multifest“ in zehn Thesen, die auf www.schaexpir.at nachzulesen sind. Der Schmusechor interpretiert zur Feier des Tages „Happy Birthday“ auf ganz besondere Art. Das Spiel um Raum und Zeit in parallelen Wirklichkeiten läuft bis 30. Juni an 16 verschiedenen Spielstätten mit über 100 Vorstellungen. Einen Anfang machte „Homo Deus Frankenstein“:

Sie riefen die Geister: Mensch vs. Roboter

„Habe nun, ach …“ aus Goethes Faust bis „da steh ich nun, ich armer Tor“ definiert das Problem eines Roboters, der alle menschenmöglichen Informationen intus hat, genauso wie das des Wissenschaftlers, der ihn schuf. Titel der belgisch/österreichischen Koproduktion: „Homo Deus Frankenstein“. Aus dem gemeinsamen Streben, sich selbst zu optimieren, entwickeln Johan de Smet und Sara Ostertag anhand der Lebensgeschichte eines Roboters eine Bestandsaufnahme der Gegenwart mit fragendem Blick in die Zukunft. Zwei Schauspielerinnen — großartig in Schauspiel und Tanz Marjan de Schutter und Martina Rösler — stehen für Mensch und Roboter, der Unterschied verschwimmt.

Gruselig die Ansage des Computerwesens: „Ich kenne Vergessen, Vergehen und Angst. Bin ich menschlich?“ Alte Menschen sterben, „low battery“ beim Roboter. Wer beherrscht oder steuert wen und was? Vor einem Hintergrund aus vielschichtigen Projektionen und realen Versatzteilen unterscheiden sich auch reale Räume nicht mehr von den virtuellen. Mehr durchkomponierte Oper denn Soundtrack schuf dazu Frederic Neyrink, eine jenseits von Elektronik einfühlsame tiefgehende Musik performed von Bläsern und Schlagzeug. Sehenswert, lehrreich und sehr ästhetisch.

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