Musical “Piaf” als One-Woman-Show am Musiktheater Linz

Nach sechsmonatiger Zwangspause wegen Corona hat sich das Musiktheater Linz Freitagabend mit einer umjubelten Premiere des biografischen Musicals “Piaf” der britischen Autorin Pam Gems zurückgemeldet. Der Saisonauftakt der neuen Spielsaison wurde zu einer One-Woman-Show einer mitreißenden Daniela Dett als “Spatz von Paris”.

In etwas zu langen zweieinhalb Stunden wird der Aufstieg des derben Straßenmädchens zur selbstherrlichen, männerverschlingenden Diva bis zum Untergang einer alkoholsüchtigen und morphiumabhängigen Chansonette erzählt. Mit Beginn des Zerfallsprozesses verdichtet sich die Aufführung unter der Regie von Musicalchef Matthias Davids zunehmend.

Das Musical, das Gems 1978 für die Royal Shakespeare Company geschrieben und 2008 überarbeitet hat, beginnt mit dem Ende von Edith Giovanna Gassion. Dett steht mit dem Rücken zum großen Saal des Musiktheaters vor einem riesigen gekippten Spiegel, in dem sich die Zuschauer im Saal reflektieren. Und so stimmt Piaf doch vor Publikum zu ihrem letzten Lied an. Aber dann torkelt sie, bricht ab, beginnt von Neuem, sackt zusammen.

Anschließend folgen schnell wechselnde Szenen auf einer von Mathias Fischer-Dieskau minimalistisch gehaltenen Drehbühne, die das Leben der Sängerin in Schlaglichtern beleuchten. Alles dreht sich im wahrsten Sinne des Wortes um den “Spatz von Paris”. So hat auch nur Dett wirklich eine Gesangsrolle. Die anderen Darsteller, wie die Freundin der ersten Stunde, Liebhaber und Manager, wirken wie Staffage. Doch glaubt man Biografien über die 1,47 Meter kleine, 1963 verstorbene Französin, waren ihre Wegbegleiter wohl auch nie mehr als das.

Dennoch erhält das Musical damit einen eigentümlichen Charakter, wenn, bis auf wenige Ausnahmen wie etwa Sanne Mieloo als Marlene Dietrich mit “Lili Marleen”, nur eine Figur singt. Doch das macht diese dafür umso besser. Dett taucht so in die tragische Figur ein, dass nach Schlussapplaus und Standing Ovations soviel Spannung von ihr abfällt, dass ihr nur mehr Tränen bleiben.

Mal mit staksigen Gang, dann mit verschreckt-aufgerissenen Augen oder mit zerrissenem Lächeln tritt sie im schwarzen Kleid vor das Standmikrofon. 15 Chansons singt sie, darunter “La vie en rose”, “Milord” und natürlich zum Schluss der Aufführung “Non, je ne regrette rien”. Auch wenn Dett das “r” nicht so rollt wie die Französin, gibt sie doch das, was sie als Piaf auf der Bühne sagt: “Die bekommen alles von mir”. Die nur gut 600 Zuschauer – mehr dürfen laut Corona-Vorgaben nicht in den Saal – dankten mit Jubelrufen.

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