Musikalische Sensation im historischen Gewand

Lehár-Festival Bad Ischl zeigt bis 22. August „Sissi in Concert“

Ein Kuss, der in die Filmgeschichte eingegangen ist und ein Orchester, in Überform unter Marius Burkert.
Ein Kuss, der in die Filmgeschichte eingegangen ist und ein Orchester, in Überform unter Marius Burkert. © fotohofer.at

Von Ingo Rickl

Eines ist sicher: Bad Ischls Neo-Intendant Thomas Enzinger ist absoluter Vielseitigkeits-Rekordhalter beim Lehár-Festival Bad Ischl. Bislang gab es heuer vier teils verwegene, teils spannende, teils kabarettistische Aufführungen. Diesmal ist es die Produktion „Sissi in Concert“, die man am 19. Und 22. August (jeweils 15.30 Uhr) noch einmal erleben kann.

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Im Mittelpunkt stehen die Sissi-Filme der 1950er-Jahre, die Romy Schneider und Karlheinz Böhm über Nacht zu Weltstars machten. Diesem österreichischen Filmwunder des genialen Drehbuchautors und Regisseurs Ernst Marischka gingen für die Ischler Produktion zwei Fachleute nach. Paul Hertel gestaltete aus der Originalmusik des Schlagerkomponisten Anton Profes symphonische Sätze und Andreas Ivanscics kümmerte sich um Grafik, Video-Einspielungen und Animation.

Paul Hertel hatte mit dem in Überform befindlichen Franz-Léhar-Orchester unter dem umsichtigen Marius Burkert ein Ensemble zur Verfügung, das die musikalische Fassung sensationell darbrachte, kontrastiert von einer jungen Dame an der Zither. Magdalena Scheck hatte an der Seite Sissis viel zu improvisieren, was ihr blendend gelang. So bekam oft breit ausladender symphonischer Klang ein intimes Gegengewicht.

Die junge Romy unter diktatorischem Zwang

Mark Weigel (Ernst Marischka) und Sieglinde Feldhofer (Sissi) lasen neu aufgefundene Texte, vor allem Briefe, die zum Beispiel beweisen, wie sehr die junge Romy Schneider unter dem diktatorischen Zwang ihrer Mutter, ihres Stiefvaters und den Mächtigen der Filmbranche stand.

Als Jahrgangsgefährte von Romy Schneider sind mir, dem Schreiber dieser Zeilen, viele Dinge in Erinnerung, vor allem die Riege der in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts grandiosen Schauspieler. Die Filme haben für ältere Generationen Ewigkeitswert, junge Film- und Operettenfreunde haben die einmalige Gelegenheit, in einer zeitgemäßen Produktion die Erfahrungen um Filmlegenden nachzuholen.

Ein dramaturgischer Trick sei noch verraten: Die Texte enden mit dem Brief der elfjährigen Anika aus Hamburg, die Marischka bittet, ihr das Sissi-Buch zuzusenden, was dieser auch tut. Tatsächlich ist diese Anika eine bislang unbekannte Komödiantin, deren Eltern Bela Fischer und Festival-Inspizientin Susanne Marik am 21. August im Lehár-Theater den Abend „Hoppla jetzt komm ich“ bieten werden, wo Schlager aus den 1930er- und 40er-Jahren erklingen werden, die also einen Bogen von der Kaiserzeit in die Filmepoche der Sissi-Trilogie spannen werden.