Musikalisches Gute-Laune-Feuerwerk

    Klassik am Dom: Lehárs „Die lustige Witwe“ in einer konzertanten Fassung mit Moderator

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    Bestens disponiert: Sopranistin Annette Dasch
    Bestens disponiert: Sopranistin Annette Dasch © Litzlbauer

    Von Eva Hammer

    Als Krawallgäste einer Talkshow wollten Autor Alexander Kuchinka und Librettist Daniel Große Boymann wohl die Typen aus Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ in Szene setzen. Klassik am Dom brachte am Donnerstag eine konzertante Aufführung. Das Schielen auf einen publikumswirksamen Medienstar war vielleicht auch Grund dafür, warum der deutsche Spaßvogel Oliver Pocher als Moderator für die Aufführung auf dem Linzer Domplatz engagiert wurde. Der sagte im letzten Augenblick ab. In kürzester Zeit viel Text zu lernen und sich selbst zu inszenieren, oblag deshalb Daniel Grosse Boymann, der den Part des kommentierenden Botschaftsadjunkten Njegus übernahm. Vielleicht sogar ein Glücksfall. Bei aller Komik behält er augenzwinkernden Respekt vor den Figuren und Klischees, die nun einmal Wesen von Operetten sind. Ihm gelingt es, sich von der Soap ironisch zu distanzieren, zugleich eine Daseinsberechtigung für Kitsch zu argumentieren.

    Die Welt aus Walzern, Mazurkas, Polkas im bankrotten, aber stets champagnisierenden Fantasiestaat Pontevedro lebt. Die unglückliche Liebe zwischen Hanna Glawari, einer bestens disponierten Anette Dasch, und Graf Danilo kann Fahrt aufnehmen: Daniel Schmutzhard gibt dem Besuch im angesagtesten Swingerclub, dem Maxim, eine eigene charmante Note. Seine Parts artikuliert und intoniert er strahlend klar und wohlklingend. Zeitbezüge poppen auf beim Grafen Ceta (nein, kein Freihandelsabkommen) und beim Problemstaat Pontevedro, dessen Name sich wie zufällig auf Montenegro reimt. Beim zweiten Paar besticht Theresa Grabner. Die „anständige Frau nimmt’s mit der Ehe genau“, singt sie mit heiter-keckem Sopran, und turtelt mit Tenor Martin Mitterrutzner hinter dem Rücken ihres Botschafter-Gatten, dessen „Dings“ als Running Gag in der Häufigkeit penetrant wird. Das Vilja-Lied führt in die Pause.

    Ein bisschen improvisiert

    Das musikalische und verbale Gute-Laune-Feuerwerk im zweiten Teil samt Happy End lässt die Hitze vergessen. Da macht es auch nichts, wenn einige Einsätze nicht ganz präzise kommen, die Abstimmung zwischen Sängern und Orchester nicht ganz ausgereift und manches improvisiert erscheint. Aber eine sommerlich musikalische Nummernrevue mit Hits, die immerhin schon mehr als 110 Jahre Bestand haben, erheitert allemal. Anerkennender Applaus von den gut tausend Besuchern für die Sänger, den Landestheater-Chor, das Orchester der Wiener Volksoper und den Moderator.