Musizieren im Stehen, Schreiten, Tanzen

Rauschendes Klangfest zum Finale der OÖ Stiftskonzerte in St. Florian

Ausgelassene Stimmung zum Abschluss der OÖ Stiftskonzerte
Ausgelassene Stimmung zum Abschluss der OÖ Stiftskonzerte © OÖS

Von Heinz Haunold

Derartige Töne hat der ehrwürdige Marmorsaal im Stift St. Florian lange nicht, wenn überhaupt je, gehört. Vom ersten Akkord an war man perplex, bald entzückt und angesteckt von der Spielfreude des skandinavisch-britischen Ensembles Barokksolistene. Im Sog ihres „Kapitäns“, dem norwegischen Geiger Bjarte Eike, tummelten sich bis zu elf waschechte Musikanten inklusive zweier Damen, die multiinstrumental und auch tänzerisch auftraten. Da gab es keine festen Positionen, nicht mal Notenblätter — Musizieren im Stehen, Schreiten, Tanzen mit hohem Improvisationsgrad. Doch alles hochprofessionell im Ablauf bis zur Choreografie der Auf- und Abtritte.

Die erste Hälfte war ganz dem bedeutendsten englischen Komponisten Henry Purcell gewidmet. Ein gutes Dutzend Kostproben seiner Werke zeigten die Vielfalt seines Genies — fast genau 100 Jahre vor Mozart — das ebenso mit 35 Jahren versiegte.

Genuss für Aug und Ohr

Von reinen Instrumentalstücken und barocken Gesängen heiterer, aber auch besinnlicher Art, reichte der Bogen bis zu „Fairy Queen“ und „Dido und Aeneas“. Ein Genuss für Aug und Ohr diese Homogenität im gegenseitigen Wechselspiel zu erleben.

Gar kein Halten gab es nach der Pause bei Musikern und Publikum gleichermaßen: „Alehouse Session“ — der Titel war Programm! Englische Barockmusik des 17. Jahrhunderts trifft auf Volksmusik aus Skandinavien mit Einfluss des Jazz. Singen und Musizieren in Verbindung mit Spaß und Trinken ergab die „Public-House“-Pub Kultur.

Fließend — wie der Griff zu den Ale-Bottels — war der Übergang zu den Zugaben, sehr zur Freude des längst mitswingenden Publikums im randvollen Marmorsaal.

Ein außergewöhnlicher Schluss- und Höhepunkt der Stiftskonzerte, dem Flaggschiff der oberösterreichischen Festivals.

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