Meinung

von Manfred Maurer

Mussolinis Erben

Kommentar zur faschistischen Vergangenheit Italiens.

„Ich habe ein unbeschwertes Verhältnis zum Faschismus.“ Käme einem österreichischen Politiker Derartiges über die Lippen, wäre er erledigt.

Giorgia Meloni, die obiges von sich gab, hat dagegen gute Chancen, nach den Wahlen im September Italiens erste Regierungschefin zu werden. Ihre in Benito Mussolinis faschistischer Bewegung wurzelnde Partei Fratelli d’Italia (FdI, Brüder Italiens) liegt in den Umfragen voran und kann vielleicht mit der rechtspopulistischen Lega sowie Berlusconis Forza Italia die nächste Regierung bilden.

100 Jahre nach Mussolinis Machtergreifung bringt diese Perspektive Italien nicht aus der Ruhe. Das ist zum einen zu erklären mit den Sorgen im Hier und Jetzt, zum anderen mit dem Fehlen historischer Selbstreflexion.

In Italien gab es keine Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit, keine selbstkritische Analyse der italienischen Beitragstäterschaft zum nationalsozialistischen Grauen. In einem Land, wo Weinflaschen mit Mussolini- oder Hitlerbild auf dem Etikett im Supermarkt angeboten (und offenbar auch gekauft) werden, ist Aufwind für Neo- oder Postfaschisten fast normal, zumal in turbulenten Zeiten.

Auch wenn Frau Meloni Europa gerade Kontinuität signalisiert, sollte sich niemand darauf verlassen. Wer ein unbeschwertes Verhältnis zum Faschismus hat, ist als Gefahr zu betrachten.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie ist Ihre Meinung?

Um Ihre Meinung zu posten, müssen Sie bei Facebook registriert und angemeldet sein.

Social Media Inhalt
Ich möchte eingebundene Social Media Inhalte sehen. Hierbei werden personenbezogene Daten (IP-Adresse o.ä.) übertragen. Diese Einstellung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft in der Datenschutzerklärung oder unter dem Menüpunkt Cookies geändert werden.