Manfred Maurer

Meinung

von Manfred Maurer

Mutige Ministerin

Mit Scheckbuchdiplomatie gekoppeltes Heraus- und Zurückhalten war jahrzehntelang deutsche Sicherheitsdoktrin. Sie resultierte aus einem historischen Schuldbewusstsein, das sich immer mehr mit einem Gefühl der Bequemlichkeit mischte: Andere den Kopf für die eigene Sicherheit hinhalten zu lassen, ist gesünder.

Die erste Modifikation erfuhr diese Doktrin während der Kosovo-Krise 1999, als sich Deutschland erstmals an einem bewaffneten Einsatz der Nato beteiligte.

Jetzt versucht Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer den vollständigen Einstieg in eine Sicherheitspolitik, die den realen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht. Wer Frieden und Sicherheit in Europa bewahren will, muss nicht nur über den nationalen, sondern auch weit über den europäischen Tellerrand hinausblicken. Dabei geht es nicht nur um Soft-Power, sondern auch um eine militärische Dimension. AKK beweist mit dem Anstoßen der Debatte Mut. Denn ihr blüht massiver Widerstand, weil ihre Vision nicht nur Geld, sondern auch Blut kosten wird. Es wird unbequem für die CDU-Chefin, weil sie die Deutschen um den Rest an sicherheitspolitischer Bequemlichkeit bringt. Österreich sollte diese Debatte nicht bloß erste Reihe fußfrei verfolgen, sondern sie zum Anlass für Nachdenken über eigene sicherheitspolitische Lebenslügen nehmen.

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