Nach Brexit geht das Gezerre von vorn los

EU und Briten stehen vor hartem Ringen um die künftigen Beziehungen

Bereit für den Brexit: Im Londoner Parlamentsviertel sind die britischen Flaggen aufgezogen.
Bereit für den Brexit: Im Londoner Parlamentsviertel sind die britischen Flaggen aufgezogen. © AFP/Akmen

Am Freitag, um 23 Uhr MEZ, ist es so weit: Großbritannien wird die Europäische Union endgültig verlassen. Doch der Streit um den Brexit ist damit noch lange nicht beendet, sondern beginnt erst so richtig.

Erst jetzt können nämlich die Gespräche über die künftigen Beziehungen zwischen der auf 27 Mitglieder geschrumpften EU und dem Ex-Mitglied beginnen. In einer elfmonatigen Frist soll geklärt werden, wie es ab 2021 im Handel und auf anderen Feldern weitergeht.

Chaos-Brexit droht weiter

Kritiker halten den Zeitraum für viel zu kurz — neue Konflikte drohen. Die Gefahr eines ungeregelten Bruchs zum Jahresende ist also nicht vom Tisch.

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Seine Verhandlungsziele will Premierminister Boris Johnson nächste Woche vorstellen. Souveränität sei wichtiger als reibungsloser Handel, will er laut der Zeitung Telegraph in seiner Rede betonen. Der Bruch soll viel klarer ausfallen als von Johnsons Vorgängerin Theresa May geplant. Er will die Verbindungen weitgehend kappen.

Die EU-Kommission fordert indes eine möglichst enge Anbindung an EU-Standards. Davon soll abhängen, wie weit Großbritannien Zugang zum Binnenmarkt bekommt. Die Kommission will am Montag ihre Verhandlungslinie vorschlagen, die dann von den Regierungen gebilligt werden muss. Ende Februar oder Anfang März geht es dann wirklich an den Verhandlungstisch.

Dort haben beide Seiten schon mehr als zwei Jahre um den Scheidungsvertrag gerungen. Dieser legt unter anderem die Übergangsfrist bis Jahresende fest, in der sich im Alltag fast nichts ändert. Großbritannien bleibt in der Zeit im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion.

Neben der Klärung der künftigen Beziehungen zur EU hat Johnson noch andere Sorgen: Großbritannien ist zerrissen. In den Landesteilen Schottland, Wales und Nordirland heizt die Wut auf die Regierung das Streben nach Unabhängigkeit an.

Da das Land nach dem Referendum von 2016 gespalten sei, werde er den Brexit respektvoll mit einem kleinen Programm feiern, sagte Johnson. Nur eine Lightshow, Union-Jack-Fahnen und eine Rede des Premiers sollen den historischen Moment Freitagnacht begleiten. Ob er die Spaltung der Gesellschaft damit überwinden kann, ist zweifelhaft. Jüngsten Umfragen zufolge sind noch immer 53 Prozent der Briten für einen Verbleib in der EU und 47 Prozent für den Austritt.

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