Nord Stream 1 – Gewessler gibt keine Entwarnung

Nord Stream 1 wichtigste Pipeline für russisches Gas nach Europa © APA/dpa/Stefan Sauer

Die Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 ist für Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) noch kein Grund zur Entwarnung. „Russland schürt ganz bewusst Unsicherheit in Europa. So treibt Putin die Gaspreise“, sagte die Ministerin in einer Aussendung am Donnerstag. Sie verwies darauf, dass die Pipeline nur zu rund 40 Prozent ausgelastet sei. Die Situation bleibe weiterhin angespannt. Die OMV erhielt indes am Donnerstag wieder mehr Gas.

Österreich dürfe sich nicht in falscher Sicherheit wiegen, warnte Gewessler. Die österreichischen Gasspeicher seien derzeit zu etwa 50 Prozent gefüllt. Trotz der Wartung von Nord Stream 1 sei auch in den vergangenen Tagen Gas eingespeichert worden. Bis vor Beginn der Heizsaison will die Regierung die Speicher zu 80 Prozent füllen.

Die Regulierungsbehörde E-Control rechnet weiterhin damit, das Speicherziel zu erreichen: „Wir gehen nun davon aus, dass wieder mehr Gas in die Speicher hereinkommt“, sagte E-Control-Chef Wolfgang Urbantschitsch am Donnerstag im Ö1-Mittagsjournal. Dennoch müsse man die Lage permanent beobachten, man könne sich nicht darauf verlassen, dass der Gasfluss aufrecht bleibt.

Nach der Wartung von Nord Stream 1 ist Donnerstagfrüh die Gaslieferung durch die deutsch-russische Gaspipeline wieder angelaufen. Die deutsche Bundesnetzagentur geht davon aus, dass die Pipeline am Donnerstag wie vor der zehntägigen Wartung zu etwa 40 Prozent ausgelastet wird, das entspricht rund 67 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag. Auch die deutsche Netzagentur sieht noch keinen Grund zur Entwarnung. Bei einer Auslastung von 40 Prozent über die nächsten Wochen sei „nicht das schlimmste Szenario eingetreten, aber von Entwarnung kann ich noch nicht reden“, so Netzagentur-Präsident Klaus Müller.

Russlands Energieriese Gazprom pumpt nach der Wiederinbetriebnahme der Ostseepipeline Nord Stream 1 auch weiter Gas durch die Ukraine nach Europa. Gas fließt etwa über die „Progress“-Pipeline, die sich in der Westukraine teilt und dann über einen Strang über die Slowakei auch die OMV versorgt. Auch der teilstaatliche österreichische Konzern hat am Donnerstag wieder mehr Gas erhalten. Der russische Gaskonzern Gazprom habe bestätigt, dass rund die Hälfte der vereinbarten Gasmenge am Donnerstag fließen soll, hieß es von der OMV zur APA. Damit kehre man auf das Niveau von vor der Wartung der deutsch-russischen Pipeline zurück. Während der Nordstream-Wartungspause bekam die OMV nur ein Drittel des bestellten Gases aus Russland.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hat am Donnerstag alle Schwierigkeiten bei der Lieferung von russischem Erdgas nach Europa mit den westlichen Sanktionen gegen Russland begründet, das in der Ukraine einen Krieg führt. In einem Gespräch mit Reportern sagte Peskow, Russland bleibe „ein sehr wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil der europäischen Energiesicherheit“.

Angesichts der Bedenken in Europa, dass Russland die Gaslieferungen weiter einschränken könnte, verwies Peskow auf die früheren Äußerungen von Präsident Wladimir Putin. Die staatliche Gazprom werde Verpflichtungen gegenüber Kunden immer erfüllen.

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