Nach lehrreichem Jahr brennt bei Ilzer wieder “das Feuer”

Für Christian Ilzer hat am Dienstag mit der Präsentation als Sturm-Graz-Trainer ein neues Abenteuer begonnen. Nach einem enttäuschenden Jahr inklusive verpasster Meistergruppe bei der Wiener Austria will der Steirer in seiner Heimat an vergangene erfolgreiche Zeiten anknüpfen. Dass beim Tabellensechsten der vergangenen Fußball-Bundesliga-Saison viel Arbeit wartet, ist dem 42-Jährigen bewusst.

“Ich will nicht zu sehr mit Liebesbekundungen schmeicheln, ich will mir mit ehrlicher, harter, aufopferungsvoller Arbeit einen Platz in der Sturm-Familie erarbeiten”, gab Ilzer zu Protokoll. Die vergangenen Tage seit Bekanntwerden seines fliegenden Wechsels vom einen Liga-Club zum anderen am 17. Juli nutzte er vor allem um einmal abzuschalten im Urlaub mit der Familie. “Es war nicht immer einfach für mich, deshalb war es wichtig den Kopf freizubekommen. Jetzt brennt in mir wieder das Feuer für eine große, verantwortungsvolle Aufgabe”, sagte der Neo-Coach der Grazer.

Sowohl Sturm als auch Ilzer haben ein schwaches Jahr hinter sich. Ilzer konnte mit 14 Siegen, 12 Unentschieden und 13 Niederlagen in 39 Pflichtspielen in Wien nicht überzeugen. “Man wünscht sich nie den Misserfolg, in manchen Phasen ist er aber sehr lehrreich und wertvoll. Es war eine Zeit, aus der ich viel mitnehmen kann. Ich denke, es sitzt jetzt ein besserer Trainer da, als noch vor einem Jahr”, erläuterte der Ex-Austria-Trainer. Davon sind auch die Verantwortlichen in Graz überzeugt. “Nach den ersten Gesprächen war schnell klar, dass das unser Mann ist. Er passt von den Eigenschaften perfekt zu uns, bringt alle Dinge für unseren neuen Weg mit”, schilderte Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker.

Ilzer soll vor allem auch junge Spieler entwickeln und die nötige Zeit vom Club dafür bekommen. Deshalb wurde der neue Coach im Gegensatz zu vielen Vorgängern auch mit einem Vertrag über drei Jahre ausgestattet. “Wir haben einen Drei-Jahres-Plan, es wird daher nicht alles schon am 12. September umgesetzt sein, deshalb bitte ich da um Geduld. Wir arbeiten auch mit Vollgas am Übermorgen, daher auch der ungewöhnliche Vertrag, der ein besonderer Vertrauensbeweis ist”, sagte Sturm-Präsident Christian Jauk.

Für Ilzer wäre ein langer Verbleib was Neues. Zuletzt war er jeweils für ein Jahr in Hartberg, beim WAC und zuletzt eben bei der Austria tätig. “Es ist mein vierter Verein in vier Jahren. Ich bin aber nach Graz gekommen, um jetzt länger zu bleiben und habe das Gefühl, dass es passt”, so der Neo-Sturm-Trainer. Von “Jobgarantie” oder “Komfortzone” wollte er nichts wissen. “Das passt gar nicht zu mir. Ich habe immer wieder Clubs gehabt, wo es nicht asphaltiert war, wo viel zu arbeiten war. Dass es ruhig wird, darauf stelle ich mich nicht ein”, so Ilzer. Das ist mit Blick auf die Vergangenheit nicht zu erwarten: Seine Vorgänger Heiko Vogel, Roman Mählich oder zuletzt Nestor El Maestro durften höchstens eine Saison lang werken.

Ilzer ist der erste steirische Sturm-Trainer seit Robert Pflug (1991 bis 1992). “Die Ansprache bei Sturm ist wieder steirisch. Natürlich ist das ein Zeichen, ein Signal, das uns wichtig ist”, betonte Jauk. Das unterstrich auch Schicker: “Die Kombination Sturm und Ilzer hat Potenzial für eine steirische Erfolgsstory.” Der neue Sturm-Trainer ist aus Puch bei Weiz und war laut eigenen Angaben schon in Kindheitstagen als Sturm-Fan in der damaligen Gruabn.

Als Trainer hat er in der Steiermark schon reüssieren können. Sein Ex-Club Hartberg ist dem großen Rivalen aktuell dank der Europacup-Qualifikation etwas voraus. Geht es nach Ilzer soll sich das bald wieder ändern. “Der Hauptfokus liegt darauf, eine Mannschaft zu formen, zu entwickeln. Dann bin ich überzeugt, dass auch der Erfolg zurückkommt.” Zu sehen bekommen soll man einen leidenschaftlichen, aktiven Fußball. “Wie der Name Sturm schon sagt, soll es alles andere als ein laues Lüftchen sein”, betonte Ilzer.

Die Spieler bekommen am Samstag erstmals die Chance beim Vorbereitungsstart sich beim neuen Coach zu präsentieren. Bezüglich des Kaders hat Ilzer schon ein Bild im Kopf, nach außen hielt er sich bedeckt. “Es gibt klare Ideen und jetzt ist es an der Zeit an der Umsetzung zu arbeiten”, so Ilzer. Preisgegeben wurde am Dienstag nur, dass mit den verliehen gewesenen Markus Lackner, Emeka Eze und Lukas Grozurek laut Schicker “nicht unbedingt” geplant werde.

Bis zum Meisterschaftsstart sind es nur fünf Wochen. “Die werden wir intensivst nützen”, versprach Ilzer. “Es wartet viel Arbeit auf uns, es gilt vom ersten Tag an richtig Zug in die Trainingsarbeit zu bringen.” Ihm zur Seite stehen wie zuletzt bei der Austria Uwe Hölzl und Dominik Deutschl als Co-Trainer sowie Marco Angeler als Athletikcoach.

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