Nach Pandemie wieder mehr Alpinunfälle im Winter 2021/22

Nach einem Rückgang um rund zwei Drittel bei den Alpinunfällen im vergangenen Jahr nähert sich der Winter hinsichtlich dem alpinen Unfallgeschehen in Österreich wieder an das langjährige Mittel an. Das war dem vom Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) am Dienstag veröffentlichten Zwischenbericht zu entnehmen. Demnach verunfallten im Winter 2021/22 6.716 Personen in Österreichs Bergen. Während in der Vorjahressaison 88 Personen starben, waren es heuer 111.

Insgesamt registrierte die Alpinpolizei bzw. das Innenministerium im Zeitraum November 2021 bis 3. April 2022 in Österreich 4.345 alpine Unfallereignisse (Zehn-Jahres-Mittel: 4.574 Unfälle). Im Vorjahr waren es 1.848 gewesen. 6.716 Verunfallte (Tote, Verletzte und Unverletzte) wurden dokumentiert, etwa gleich viele wie im langjährigen Mittel (7.242) und deutlich mehr als in der Vorjahressaison 2020/21 mit 2.494.

Das Kuratorium beschrieb den Winter 2021/22 im Zwischenbericht als von trockenen Perioden mit Schönwetter, wenig Niederschlag und starkem Wind mit teils massiver Südkomponente geprägt. Im Frühjahr wurde Saharastaub verzeichnet. Die Schlechtwetterphase Anfang Februar 2022 habe abseits des gesicherten Skiraums Auswirkungen auf das Unfallgeschehen gehabt und innerhalb von zwei Tagen neun Lawinentote gefordert. Insgesamt sind im Betrachtungszeitraum 18 Personen durch Lawinen ums Leben gekommen, davon zehn in Tirol, vier in Niederösterreich, drei in Salzburg sowie eine Person in Vorarlberg. Die meisten davon – 15 Personen – waren Skitourengeher.

„Lawinenunfälle im Zehn-Minutentakt, wie Anfang Februar 2022, sind für die freiwilligen Bergretterinnen und Bergretter eine enorme Herausforderung“, unterstrich der Präsident des Österreichischen Bergrettungsdienstes (ÖBRD), Stefan Hochstaffl in Bezug auf den Februar. Der vergangene Winter habe insgesamt gezeigt, wie wichtig das „gesamte Rettungssystem vom Einsatzleiter, einzelnen Bergrettern, der Alpinpolizei und Flugrettung bis hin zu Lawinen-Suchhunden ist“.

Hans Ebner, der Leiter der Alpinpolizei/Bundesministeriums für Inneres (BMI) nahm indes Bezug auf den anhaltenden Trend zum Skitourengehen. Die Zunahme von Unfällen falle moderater aus, als es die Zahl an Aktiven erwarten ließe, hielt Ebner fest. Insgesamt wurden im Zwischenbericht etwa 700 im Winter 2021/22 verunfallte Tourengeher erfasst, das Zehn-Jahres-Mittel liegt bei 500. „Viele sind mit ihren Tourenskiern auf der Piste und im niedrigeren Gefahrenbereich unterwegs“, sagte Ebner.

Im organisierten Skiraum – also den Pisten und Skirouten – verunfallten in Österreich im Betrachtungszeitraum 4.613 Personen (Zehn-Jahres-Mittel: rund 5.300), davon 27 tödlich (Zehn-Jahres-Mittel: 28). Elf Personen starben im Zuge eines Sturzes oder Absturzes, acht Personen aufgrund einer Herz-Kreislauf-Störung und genau so viele wegen eines Aufpralls gegen ein Hindernis.

Rund 36 Prozent der im organisierten Skiraum Verunfallten stammen aus Deutschland, 27 Prozent aus Österreich. Die Anzahl der Unfallereignisse mit Fahrerflucht im Verhältnis zur Anzahl der erfassten Unfälle auf Pisten und Skirouten liegt im langjährigen Mittel für ganz Österreich bei etwa 22 Prozent, hieß es – so auch im Winter 2021/22.

Zwei Personen verstarben in Österreich im vergangenen Winter bei Rodelunfällen. Insgesamt wurden 221 Personen (Zehn-Jahres-Mittel: 194) beim Rodeln verletzt. Etwa 20 Prozent der Verletzten zog sich dabei Kopfverletzungen zu, gefolgt von Verletzungen am Sprunggelenk mit 14 Prozent sowie am Rücken und der Wirbelsäule mit 13 Prozent.

Wie immer appellierten die Berichtsverfasser – das ÖKAS, der ÖBRD und die Alpinpolizei/BMI an die Eigenverantwortung, eine vernünftige Selbsteinschätzung und Tourenauswahl, das Einholen aktueller Informationen sowie ein Kursangebot oder eine professionelle Führung zu nutzen. ÖKAS-Präsident Peter Paal betonte, dass die Unfallzahlen in den letzten zehn Jahren trotz deutlicher Zunahme an sportlichen Aktivitäten am Berg auf einem konstanten Niveau verharrten. „Prävention wirkt und wir können gemeinsam darin noch besser werden“, zog Paal ein Fazit. Paal nahm die Veröffentlichung des Berichts zudem zum Anlass, um davor zu warnen, Verunfallte pauschal zu verurteilen – ohne die genaue Situation zu kennen. Dies solle man Experten und Juristen überlassen, mahnte er.

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