Nach Tod eines Deutschen Hetzjagd auf Ausländer

Chemnitz nach Messerstecherei im Ausnahmezustand — Politik verurteilt Selbstjustiz — Syrer und Iraker festgenommen

In Chemnitz gehen nach der tödlichen Messerstecherei die Wogen hoch.
In Chemnitz gehen nach der tödlichen Messerstecherei die Wogen hoch. © AFP/Seidel

Eine Messerstecherei versetzt die ostdeutsche Stadt Chemnitz in Ausnahmezustand: In der Nacht zum Sonntag war es am Rande eines Stadtfests zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Menschen unterschiedlicher Nationalitäten gekommen. Drei Männer wurden schwer verletzt, ein 35-Jähriger Deutscher starb später im Krankenhaus.

Nach der Gewalttat schaukelte sich die Situation — befeuert durch Gerüchte in den sozialen Netzwerken — hoch. Nach einer von der AfD organisierten Spontankundgebung mit rund einhundert Teilnehmern zogen am Sonntag dann rund 800 Menschen durch die Innenstadt. Es kam zu einer regelrechten Hatz auf Ausländer und zu Zusammenstößen mit der Polizei.

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Die AfD distanzierte sich zwar am Montag von den Ausschreitungen Rechtsextremer. Für den Abend hatten aber rechte und linke Gruppen zu erneuten Demos aufgerufen.

„In Deutschland ist kein Platz für Selbstjustiz, für Gruppen, die auf den Straßen Hass verbreiten wollen, für Intoleranz und für Extremismus“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil verurteilte jegliche Form von Selbstjustiz.

Ein 23-jähriger Syrer und ein 22-jähriger Iraker wurden unterdessen unter dem Verdacht des gemeinschaftlichen Totschlags festgenommen. Die beiden sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach einem verbalen Streit ohne Grund mehrfach auf den 35-jährigen Deutschen eingestochen zu haben.