Nach Triumph über Basel wähnt sich der LASK im Märchen

Das Europacup-Märchen des LASK geht in die nächste Runde. Nach dem 3:1-Sieg über den FC Basel steht “nur” noch Club Brügge zwischen den Linzern und den Millionen der Champions-League-Gruppenphase. Nicht zu Unrecht geisterte am Dienstagabend das Wort “historisch” über die regendurchtränkte Linzer Gugl. “Ich kann es immer noch nicht in Worte fassen”, sagte Mittelfeldmotor Peter Michorl.

Unbeirrbar rollt das Team von Trainer Valerien Ismael durch die bisherige Saison. Der sechste Sieg im sechsten Pflichtspiel war zugleich der schönste. Sechs Jahre nach dem abgewendeten Konkurs bzw. fünf Jahre nach dem Aufstieg aus der Regionalliga ist der Meister von 1965 wohl in die erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte eingetreten. Nun warten die Play-off-Duelle mit Brügge (20. August/heim bzw. 28. August/auswärts) und im Falle des Ausscheidens ein Trostpflaster von 5 Millionen Euro. Dass Fixticket für die Europa-League-Gruppenphase hatten die Linzer zudem schon vor dem Basel-Duell sicher – Leichtigkeit ist quasi garantiert.

Im Rückspiel gegen Basel auf der mit rund 14.000 Zuschauern ausverkauften Gugl sah das freilich nicht immer so aus. Gerade zu Beginn zeigten die ursprünglich favorisierten Schweizer, dass sie ihre Lektion aus der 1:2-Niederlage im Hinspiel gelernt hatten. “Wir wollten dem Pressing des LASK mit Kombinieren und langen Bällen entgegnen, das hat heute besser geklappt als beim Hinspiel”, meinte Basel-Coach Marcel Koller. Stürmer Kemal Ademi haderte auch mit mangelnder Fortune. “Wir hatten in der ersten Hälfte genug Chancen, da haben wir es versäumt”, meinte er.

Möglichkeiten hatte in den ersten 45 Minuten auch der LASK, kurz vor der Pause war es dann allerdings pures Glück, dass der aserbaidschanische Schiri Aliyar Agayev bei einem klaren Foul von LASK-Goalie Alexander Schlager keinen Elfer gab. So ging es mit 0:0 in die Kabinen, Ismael appellierte an seine Kicker: “Ruhe bewahren und unser Spiel spielen”, habe seine Losung gelautet. Der Franzose drang offenbar durch. “Mehr Zugriff und gute Umschaltsituationen” sowie das glückliche 1:0 durch eine abgefälschte Flanke Reinhold Ranftls (59.) waren die Folge.

“Wir sind sehr gut aus der Kabine gekommen, diszipliniert und kompakt gestanden, haben wenig zugelassen und dann das Führungstor erzielt”, rekapitulierte Michorl, dessen Künste bei ruhenden Bällen diesmal ausnahmsweise nicht gefragt waren. Als Ademi die verzweifelten Gäste mit dem Ausgleich (80.) noch einmal hoffen ließ und der LASK wackelte, schlugen Goiginger (89.) und “Joker” Marko Raguz (94.) dank entblößter Schweizer Defensive zu. “Das macht mich sehr stolz”, betonte Goiginger, der zu alter Stärke zurückzufinden scheint. “Nach meiner schwierigen Vorbereitungsphase war es keine einfache Zeit für mich. Bei einer Schambeinentzündung weißt du nie, wie lange es dauert.”

Für den bisher makellosen Ismael war der Aufstieg hochverdient. “Wenn du einmal gewinnst, kann das Glück sein, aber wenn du zweimal gewinnst, gesamt 5:2, dann ist das Qualität. Die Mannschaft hat Historisches für den Verein geleistet”, sagte der 43-Jährige nach dem Triumph über den einstigen Dauergast in der CL-Gruppenphase. Ex-ÖFB-Teamchef Koller musste dem zustimmen: “Der LASK hat es in zwei Spielen verdient.” LASK-Präsident Siegmund Gruber wollte das eben Erlebte “erst sacken lassen”, für ihn stand aber fest, dass “wir es jedem Gegner schwer machen” können.

Brügge, das sich am Dienstag nach dem 1:0-Heimerfolg bei Dynamo Kiew zu einem 3:3 mühte und erst im Februar dieses Jahres im Sechzehntelfinale der Europa League an Salzburg gescheitert war, ist für Michorl “höher einzustufen als Basel”. Die ganz großen Zeiten liegen freilich weit zurück. Unter Trainerlegende Ernst Happel stand der 15-fache belgischer Meister je einmal im Finale des Meistercups (1978) und UEFA-Cups (1976). Geht es nach Goiginger, muss sich der LASK nicht verstecken: “Wie man sieht, haben wir immer Chancen.”

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