Nach Urteil zu Kuh-Attacke sieht Bauernbund Almwirtschaft in Gefahr

Schadenersatz-Forderungen von 490.000 Euro bedrohen Existenz der Landwirte — In OÖ setzen Almbauern auf Aufklärung der Wanderer

INNSBRUCK/WIEN/LINZ — Nach dem spektakulären Urteil in einem Zivilprozess um eine tödliche Kuh-Attacke gehen in der Landwirtschaft die Wogen hoch. Laut einem nicht rechtskräftigen Urteil des Landesgerichts Innsbruck muss ein Bauer dem Witwer einer im Juli 2014 im Tiroler Stubaital getöteten 45-jährigen Deutschen 490.000 Euro Schadenersatz zahlen. Die Hinterbliebenen warfen dem Landwirt vor, gegen die Sorgfaltspflichten eines Tierhalters verstoßen zu haben. Der Bauer verwies darauf, dass er Warnschilder, die auf die Mutterkuhhaltung aufmerksam machten, bei den Zugängen zu seiner Weide angebracht hatte. Laut Gericht wäre aber eine zusätzlich Abzäunung notwendig gewesen. Die Frau war mit ihrem Hund auf einem Wanderweg unterwegs, als die Kühe plötzlich seitlich auf sie zuliefen.

Fassungslos macht das Urteil Bauernbund-Präsident Georg Strasser. „Das Urteil würde das Aus für unsere Almen bedeuten. Eine verpflichtende Einzäunung von Almweiden, aber vor allem Schadensersatz-Forderungen würden die Almbauern ruinieren“, so Strasser am Freitag. Laut dem Bauernbund-Präsidenten ist die Weidehaltung mit einer Steigerung des Tierwohls verbunden und daher für die Betriebe in Berggebieten unerlässlich. Eine Schadenersatzforderung von einer halben Mio. Euro sei für die Bauern existenzbedrohend, so Strasser, der auf die Eigenverantwortung der Wanderer verwies.

Aufklärung in Schule

Auf die Aufklärung und Information der Wanderer setzt Johann Feßl, Obmann des OÖ Almvereins, wobei man damit schon in der Schule beginne. Dazu gehöre auch die Beschilderung in Almgebieten, außerdem wolle man in Schutzhütten Broschüren auflegen. „Man darf nicht vergessen, dass die Wanderer, die in den letzten Jahren immer mehr geworden sind, auch unsere Konsumenten sind“, so Feßl im VOLKSBLATT-Gespräch. Allerdings habe sich das Verhalten der Almbenutzer gewandelt, das Abstand halten und Umgehen von Kühen mit Kälbern sei nicht mehr selbstverständlich. Auf den oö. Almen weiden rund 5000 Kühe.

Wie ist Ihre Meinung?